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06.11.2018 | Berlin

Marketing-Professorin, Life-Coach, „Digital Migrant“ & WWM-Gewinnerin

Prof. Dr. Sonja Klose: „Vor Studierenden ist man mit fehlendem Praxiswissen wenig glaubwürdig“

Prof. Dr. Sonja Klose FOM Berlin Marketing Kluge Köpfe 2018

Soziale und emotionale Kompetenz sowie besondere Fähigkeiten in einem oder mehreren Fachgebieten, weit über die Ergebnisse von Intelligenztests hinaus. Das alles sagt man klugen Köpfen nach. Sonja Klose erfüllt alle diese Kriterien. Und wird zurecht als „Kluger Kopf“ am 6. November in Berlin CITY WEST vorgestellt. Hochbegabt ist sie übrigens auch.

„Mir gefällt die spezielle Atmosphäre in der Lehre an der Hochschule – eine Mischung aus Neugier und Aufbruchsstimmung in einer Runde von intelligenten Menschen. Das wirkt ansteckend.“ Seit Januar 2018 ist Dr. Sonja Klose Professorin für Allgemeine Betriebs-wirtschaftslehre und Marketing an der FOM in Berlin. Ihr Weg bis hierhin: spannend, vielseitig und sicherlich nicht alltäglich.

Nach dem Abitur reist Sonja Klose erst einmal durch Kalifornien und Mexiko, anstatt wie geplant Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Sie bleibt, bis ihr das Geld ausgeht. „In sechs Monaten habe ich sehr viel sehr schnell gelernt, vor allem über mich selbst.“ Wieder in Deutschland macht sie eine Ausbildung zur Bauzeichnerin, später ein Fernstudium zur Grafikdesignerin. Klose wird Mutter eines Sohnes, studiert „International Business“ und promoviert 2007. „Ich habe viele verschiedene Lehr- und Lernmethoden kennengelernt“, bilanziert Prof. Klose ihren abwechslungsreichen Bildungsweg. 2008 kommt sie nach Berlin, weil es dort mehr Möglichkeiten gibt, im Online-Marketing zu arbeiten.

"Wer wird Millionär?"-Gewinn als Startkapital für Coaching-Unternehmen

Klose übernimmt dann leitende Funktionen im Bereich Marketing und PR – dieses Praxiswissen verschafft ihr jetzt in der Lehre Authentizität. „Vor Studierenden ist man mit fehlendem Praxiswissen unglaubwürdig“, sagt die Marketing-Professorin. Den Sprung aus dem Angestelltendasein wagt Klose mit einer ordentlichen Portion Glück: 2014 nimmt sie bei „Wer wird Millionär“ teil und gewinnt ihr Startkapital. Den Gewinn nutzt sie, um sich ein zweites Standbein aufzubauen und bildet sich zum Coach weiter. 2016 gründet sie ihr Unternehmen „Powerhouse Coaching“.

„Kommunikation und Psychologie haben mich schon immer fasziniert. Denn in meinem Berufsleben habe ich oft erlebt, dass Projekte nicht aufgrund fehlender Kompetenz scheiterten, sondern wegen schief gelaufener Kommunikation.“ Mit Coaching lässt sich da einiges geraderücken. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Leute rausgehen und sich besser fühlen“, beschreibt Sonja Klose ihre Erfahrungen als Coach. Auch sie selbst hatte Coachings einmal in Anspruch genommen, denn sie wollte die Ursachen erkennen, warum sie manchmal mit Vorgesetzten aneinandergeraten war. „So ist herausgekommen, dass ich teilweise zu schnell rede, meinen Gesprächspartnern nicht genug Zeit lasse, nachzudenken und Fragen bis zum letzten Detail beantwortet haben will. Das setzt meine Gesprächspartner unter Druck.“ Und mit über 40 Jahren wurde außerdem festgestellt: die Professorin ist hochbegabt.

Chatbot-Programmierung und Website-Entwicklung in der Lehre

Da Notebooks und Mobiltelefone in ihren Modulen gern gesehene Arbeitsmittel sind, prüfen Studierende häufig das von ihr Gesagte. Gerade das Online-Marketing ist sehr schnelllebig. „Ich muss meinen Wissensstand und auch die Skripte im Semester laufend anpassen – für mich die beste Möglichkeit, mich ständig weiter zu entwickeln“, meint Sonja Klose begeistert. Täglich liest sie mindestens eine Stunde Fachliteratur, davon 50 Prozent Newsletter, Foren und Blogs. Aktuell hat sie sich für einen Tagesworkshop angemeldet, um zu lernen, wie man einen Chatbot programmiert. „Ich möchte für das Modul Social-Media- und Mobile-Marketing wissen, wie es funktioniert. Hier beschäftigen wir uns unter anderem mit Automatisierung und Künstlicher Intelligenz.“

Amüsiert schaut sie auf ihre eigene Studienzeit zurück: In ihrem Lehrbuch aus dem Jahr 2000 fand das Thema Online-Marketing auf einer Seite Platz. „Mittlerweile ist es nicht mehr wegzudenken und hat sich als riesengroßes eigenes Arbeitsfeld aufgetan.“ Auch deshalb lässt sie die Studierenden direkt im Kurs eine eigene Website bauen. „Sie müssen kein aufwendiges CMS aufsetzen. Wir nutzen einfache, intuitive Systeme. Mir kommt es auf die Transferleistung an: Die Learnings aus den konzeptionellen und strukturellen Überlegungen, die die Teams dafür anstellen müssen. Die Website ist heute eine Visitenkarte, ohne die man nicht existent ist. Vor 20 Jahren hat sich kaum ein Marketing-Manager damit beschäftigt.“

Grundsätzlich legt Sonja Klose in der Lehre Wert darauf, dass die Studierenden Dinge ausprobieren. Sie stellt ihnen Online-Tools vor, um ihren Alltag zu organisieren und ihre Themen zu sortieren. Im Herbst geht sie mit ihnen auf Exkursion: Zum World Usability Day besuchen sie Talks mit Wissenschaftlern zu Themen wie Künstlicher Intelligenz und Automatisierung. Sie selbst interessiert sich gerade sehr für das Thema 'neue Macht der Kunden'. „Es gibt Produkte wie den kanadischen Instant Pot, eigentlich ein Schnellkochtopf, der allein über Social Media bekannt wurde, ohne, dass das Unternehmen selbst in Marketing investiert hätte. Das sind ganz neue Ansätze. Wie können Unternehmen diese Entwicklungen beeinflussen und aktiv nutzen? Wie gehen sie damit um? Das sind Fragen, die mich beschäftigen.“

Sonja Klose als begeisterter „Digital Migrant“ schaut belustigt auf die Anfänge des Internet, als sie sich noch Kaffee holen konnte, während der Computer ein Dokument herunterlud. Die Studierenden kennen das gar nicht mehr. Das Tempo der Veränderung hat enorm zugenommen. Für Sonja Klose kein Problem. Heute macht sie Yoga per App und lässt sich von ihrer Smart Watch darüber informieren, ob sich alle Studierenden rechtzeitig für die Prüfungsleistungen angemeldet haben.