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07.11.2018 | Bremen

Arbeitswelten der Zukunft:

5 Antworten aus der sozialpolitischen Forschung

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufene Wissenschaftsjahr 2018 steht unter dem Motto „Arbeitswelten der Zukunft“. Zu diesem Thema wird an der FOM vielfältig geforscht. Im Rahmen unserer FOMforscht-Serie sprechen wir dazu heute mit Prof. Dr. Christina Wilke. Als Volkswirtin ist die Zukunft der Arbeit wichtiger Bestandteil ihrer Forschung am Institut für Empirie & Statistik (ifes). 

Prof. Dr. Christina Wilke forscht am Institut für Empirie & Statistik (ifes) der FOM zur Zukunft der Arbeit (Foto: FOM/Tim Stender)

Als Sprecherin des Arbeitskreises „Demografische und gesellschaftliche Entwicklungen“ der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD) beschäftigt sie sich ebenfalls regelmäßig mit diesem Themenfeld.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen demographischer Wandel, Bevölkerungs- und Arbeitsmarktprojektionen, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Gesundheitsoekonomie und regionale Entwicklung. 

Prof. Dr. Wilke ist zudem wissenschaftliche Gesamtstudienleiterin am FOM Hochschulzentrum Bremen und lehrt dort in den Bereichen Volkswirtschaftslehre und Gesundheit. 

Professorin Wilke, wie wird sich die Arbeit in dem Bereich, in dem Sie forschen, in Zukunft verändern?

Prof. Dr. Christina Wilke: Der demografische Wandel wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten vor neue Herausforderungen stellen: Mit der Alterung und dem Rückgang der Bevölkerung als Ganzes wird auch das dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehende Erwerbspersonenpotenzial zurückgehen. Damit wird es für Deutschland immer schwieriger werden, unseren derzeit hohen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Dieser Entwicklung kann jedoch ein Stück weit entgegengewirkt werden, wenn es uns gelingt, das noch vorhandene Erwerbspersonenpotenzial künftig besser auszuschöpfen, also eine aktivere Arbeitsmarktpartizipation von beispielsweise Jüngeren, Frauen und Älteren zu erreichen.

Welche Kompetenzen werden gefragt sein?

Prof. Dr. Christina Wilke: Für unsere Arbeitswelt bedeutet dieser demografische Wandel, dass die Belegschaften in vielen Unternehmen altern werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung zunehmend an Bedeutung. Mögliche Instrumente auf Unternehmensebene können hierbei beispielsweise eine entsprechende Unternehmenskultur, alternsgerechte Arbeitszeitgestaltung oder auch Formen der altersübergreifenden Zusammenarbeit sein. Seitens der Arbeitnehmer wird insgesamt mehr Flexibilität gefordert sein, sei es für Kinder- und Enkelbetreuung, Pflegezeit oder Krankheiten sowie für lebenslanges Lernen. Auch Arbeitgeber müssen flexibler werden und räumliche Mobilität, flexible Arbeitszeiten und Teams sowie lebenslanges Lernen unterstützen.

Welche Rolle spielt die Forschung allgemein und Ihre im Speziellen bei der Bewältigung der Veränderungen?

Prof. Dr. Christina Wilke: Die Forschung kann diese zu erwartenden Veränderungen zunächst einmal skizzieren. So zeigen demographische Projektionen beispielsweise, dass der Alterungs- und Schrumpfungsprozess nicht mehr aufzuhalten ist: Selbst eine permanent viel höhere Zuwanderung als im Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte oder auch eine von jetzt an bestandserhaltende Geburtenrate von 2,1 würden an den auf uns zukommenden Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte nur wenig ändern. Zudem kann die Forschung dazu beitragen, diesen Veränderungsprozess aktiv zu gestalten, indem sie transparent Lösungsmöglichkeiten aufzeigt – wie beispielsweise die Rente mit 67 –, somit ein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Reformen schafft und damit zur Akzeptanz beiträgt.

Welche Veränderungen gefallen Ihnen und welche finden Sie gegebenenfalls bedenklich?

Prof. Dr. Christina Wilke: Der Alterungsprozess in den Betrieben ist politisch gestaltbar und sollte als Chance wahrgenommen werden. Eine aktivere Erwerbsbeteiligung von Jüngeren, Frauen und Älteren kann auch neben den rein wirtschaftlichen Argumenten positiv auf unsere Gesellschaft wirken, beispielsweise im Sinne einer stärkeren sozialen Partizipation. Als bedenklich empfinde ich die derzeitige politische Situation, in der sich gestalterischer Wille am Ende oft nur eingeschränkt umsetzen lässt.

Für das Wissenschaftsjahr 2019 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ja bereits das Thema „Künstliche Intelligenz“ angekündigt. Welches Thema würden Sie sich im Anschluss daran wünschen und warum?

Prof. Dr. Christina Wilke: Ich würde mir das Thema Resilienz wünschen. Ich glaube, dass Widerstandsfähigkeit vor dem Hintergrund der immer schneller voranschreitenden Veränderungen durch Globalisierung, Klimawandel und Digitalisierung von zunehmender Bedeutung sein wird und zwar nicht nur für die künftige persönliche Entwicklung eines jeden Einzelnen, sondern insbesondere für die weitere Entwicklung unseres Gesellschaftssystems als Ganzes. Hierzu ließen sich Forschungserkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen wie der Soziologie, den Politik-, Wirtschafts- und Gesundheitswissenschaften sowie den Naturwissenschaften zusammenbringen. 

Herzlichen Dank, Professorin Wilke!

 

Dies ist Teil sechs der FOMforscht-Serie „Arbeitswelten der Zukunft – 5 Antworten aus der Forschung“. Die Teile einszweidreivier und fünf zu den unterschiedlichsten Fachbereichen können im FOM Forschungsblog nachgelesen werden.