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08.05.2018 | Berlin

Nina Kirsch ist alleinerziehend, Model und studiert nebenberuflich an der FOM

„Ich habe mich immer weitergebildet: ob am Set, im Flugzeug oder mit Baby am Wannsee“

Als Erstes hat sie sich Perfektionismus abgewöhnt. „Das sorgt nur unnötig für Stress“, ist sich Gesundheitsmanagerin Nina Kirsch sicher. Seit September 2017 studiert die  alleinerziehende Mutter an der FOM Berlin im Bachelor-Studiengang Gesundheitspsychologie und Medizinpädagogik.

Nina Kirsch
Nina Kirsch: Gesundheitsmanagerin, Model, alleinerziehende Mutter und Studierende an der FOM (Foto: Alexandra Gor)

„Mit einem 18 Monate alten Kleinkind die perfekt aufgeräumte Wohnung haben zu wollen und immer pünktlich zu sein, ist unrealistisch. Besser ist es, kreativer und lösungsorientierter zu werden.“ Diese Fähigkeiten musste sie erst kürzlich wieder unter Beweis stellen, als drei Wochen vor den Prüfungen die Tagesmutter Urlaub machte. Weil Lernen mit Kleinkind nicht funktioniert, nahm sie die Tochter kurzerhand mit ins Fitnessstudio. Nina Kirsch konnte zwar nicht trainieren, aber ihr Kind drei Stunden in die Betreuung geben. So dehnte sie auf den Yoga-Matten ausnahmsweise nicht ihren Körper, sondern breitete dort ihr Studienmaterial aus. „Es gibt Phasen, wo gar nichts läuft. Trotzdem darf man nicht aufgeben. Ich mache einfach weiter, auch mit Kind auf dem Arm. Das ist dann vielleicht nicht perfekt, aber ich komme durch.“

Disziplin und Belastbarkeit hat sie sich in ihrem Berufsleben zeitig antrainiert. Nach dem Abitur fing sie in Hamburg ein Tanzstudium an und arbeitete nebenbei als Fotomodell um ihr Studium zu finanzieren. Das Studium musste sie verletzungsbedingt abbrechen, aber das Modeln funktionierte gut. So tourte Nina Kirsch bis Mitte 20 durch die Welt: Shootings in Asien, Europa, Südafrika. „Überall sind die Leute anders, haben andere Erwartungen, gehen anders miteinander um. Das darf man nicht unterschätzen. Ich habe mir in der Zeit diese besondere Arbeitsethik antrainiert - eine starke innere Motivation um zu bestehen.“ Heute ist ihre Tochter die Hauptmotivation. „Ich möchte ihr vorleben, dass man immer seine Träume leben kann: Teaching by Example.“

Und das Studium ist ein Traum von Nina Kirsch. Nach einem Fernstudium zur Gesundheitsmanagerin arbeitet sie im Betrieblichen Gesundheitsmanagement. „Das hat mich begeistert: Ich konnte Menschen recht schnell helfen und damit glücklich machen. Hier wollte ich mich unbedingt weiter qualifizieren, auch weil ich den großen Bedarf in den Unternehmen erlebt habe.“

Zurzeit ist Nina Kirsch noch in Elternzeit, nimmt nur ab und zu Model-Aufträge an. Im Sommer will sie dann wieder in Teilzeit anfangen zu arbeiten. Sie ist sich der Belastung bewusst, lässt sich davon aber nicht unterkriegen. „Mütter sind sehr einfallsreich“, sagt sie mit einem strahlenden Lachen. Außerdem hat sie in ihrem ersten Semester an der FOM bereits hilfreiche Tools für das Zeitmanagement kennengelernt. „Die ABC-Methode hilft mir im Alltag ungemein. Wenn einmal alles drunter und drüber geht, konzentriere ich mich nur auf die A-Prioritäten. Das klappt sehr gut.“

Außerdem setzt sie auf ihr Netzwerk, wenn sie studieren geht: freitagabends und samstags. „Das ist für mich das perfekte Studienzeitmodell, und ein Grund, weshalb ich mich für die FOM entschieden habe.“ An der Hochschule erfährt sie als Alleinerziehende Wertschätzung. „Die Dozenten haben viel Verständnis für meine Situation. Besonders berührt haben mich jedoch meine Kommilitonen in der Vorstellungsrunde. Als sie erfuhren, dass ich alleinerziehend studiere, standen sie spontan auf und klatschten.“

Nina Kirsch Foto: Alexander Lebrenz FOM Berlin
Nina Kirsch will auch Vorbild für andere Mütter sein (Foto: Alexander Lebrenz)

So viel Anerkennung erfährt Nina Kirsch außerhalb leider nicht, weder in der Arbeitswelt, noch bei der Wohnungssuche. Im Gegenteil, sie erlebte zum ersten Mal wie es ist, diskriminiert zu werden. „Ich kannte das bis dahin nicht“, sagt Nina Kirsch noch immer empört. „Aber als ich mit Baby auf dem Arm Wohnungen besichtigte und mich als Alleinerziehende zu erkennen gab, sagten mir die Vermieter offen ins Gesicht, dass ich deshalb als Mieterin nicht infrage käme.“

Aber so leicht gibt Nina Kirsch nicht auf. Im Gegenteil, das spornt sie an. Sie nahm alles Ersparte zusammen und suchte einen Kredit, um eine Wohnung zu kaufen – mit dem gleichen Resultat: Sobald die Berater erfuhren, dass sie alleinerziehend ist, galt das als untragbarer Risikofaktor. Bei der fünften Bank bekam sie dann ihren Kredit und konnte sich ihre Immobilie am südwestlichen Stadtrand Berlins kaufen.

Inzwischen wohnt sie in ihrer Wohnung mit Garten, hat ein Naturschutzgebiet gleich gegenüber. „Das gibt mir Kraft und Ausgleich. Im Grünen kann ich gut lernen und Sport machen.“ Nina Kirsch ist eine Meisterin, sich kleine Ruhe-Inseln zu schaffen. Wenn sie mit dem Auto unterwegs ist, fährt sie manchmal rechts ran, um kurz zu schlafen oder zu meditieren. „Mit Meditation habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, um mich besser konzentrieren zu können.“

Trotz Anstrengung freut sie sich jede Woche auf das Studium. „Ich ziehe sehr viel Stärke daraus, weil ich weiß, ich tue etwas für mich und verbessere meine beruflichen Chancen und damit die Zukunft für meine Tochter und mich. Bildung ist etwas, auf das ich immer zurückgreifen kann.“

Nina Kirsch ist überzeugt vom lebenslangen Lernen. „Ich habe mich immer weitergebildet, ob am Set, im Flugzeug oder mit Baby am Wannsee.“ Letzten Sommer qualifizierte sie sich kurz vor Beginn ihres Studiums noch zur IHK-geprüften Fachkraft für betriebliches Gesundheitsmanagement. Sie will damit auch Vorbild für andere Mütter sein, ihre Träume zu leben und nicht aufzugeben. „Man darf sich nicht abhalten lassen“, sagt Nina Kirsch und blickt zuversichtlich und voller Neugier auf die zweieinhalb Jahre Studium, die noch vor ihr liegen.