• FOM
  • 2018
  • März
  • Heiß diskutiert: Meet in the LawCloud
12.03.2018 | München

7. DialogCamp an der Münchner FOM

„Meet in the LawCloud“ wurde heiß diskutiert

Neuer Besucherrekord beim 7. DialogCamp der Zeitschriften MMR und ZD an der FOM Hochschule in München: Über 100 Fachinteressierte aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten lebhaft mit herausragenden Vortragenden über aktuelle Themen aus dem Bereich Datenschutz und IT-Recht.

7. DialogCamp an der FOM Hochschule in München
Über 100 Fachinteressierte diskutierten beim DialogCamp an der FOM in München u.a. über Datenschutz und Künstliche Intelligenz (Fotos: Christian Vogel/FOM)

Als „Leuchttürme“ diskutierten Peter Schaar, Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz, Dr. Benjamin Werthmann, Gründer und Geschäftsführer der streamlaw GmbH, sowie Dr. Martin Ebers von RAILS die Herausforderungen des technischen Fortschrittes unter der Fragestellung: Was passiert, wenn Algorithmen entscheiden? Mit Beispielen für die heute bereits gängige Entscheidungsfindung auf Grundlage von Algorithmen – etwa in der Werbung oder bei Risikoanalysen von Versicherungen – zeigten sie Vor- und Nachteile auf. So seien Entscheidungen aufgrund einer breiten Tatsachenbasis sowie großer Neutralität durch unvoreingenommene Algorithmen grundsätzlich vorteilhaft. Als problematisch erweise sich allerdings die Intransparenz, da Algorithmus-Entscheidungen auf neuronalem Lernen basieren anstatt auf nachvollziehbaren Wenn-Dann-Fragen. Fazit: Auf Basis einer interdisziplinären Diskussion zum Thema „Legal Tech“ müssten die nationalen und internationalen Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik aktiv gestaltet werden – insbesondere in puncto Haftungsfragen.

Prof. Dr. Thomas Städter, Wirtschaftsinformatik-Experte der FOM Hochschule, sprach über Entpersonalisierung. Dabei betonte er den Informationsgewinn von Big Data. Am Beispiel eines Fitness-Trackers erläuterte er, welche Analysen möglich seien, etwa ob jemand rauche, schwanger sei oder Alkohol konsumiere. Bei seiner Abgrenzung zwischen IT-Sicherheit und Datenschutz betonte Städter, dass Unternehmen nur mit einer stabilen Anonymisierung dem Anwendungsbereich der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entkämen.

Anke Zimmer-Helfrich und FOM Gesamtstudienleiter Prof. Dr. Gerald Mann
Chefredakteurin Anke Zimmer-Helfrich und FOM Gesamtstudienleiter Prof. Dr. Gerald Mann

Dr. Stefan Schleipfer fragte sich, ob der Gesetzgeber im Entwurf seiner ePrivacy-Verordnung aus den Fehlern der Cookie-Richtlinie gelernt habe. Denn für sich genommen stellten Cookies keine Tracking-Technologie dar, sondern würden lediglich für Tracking verwendet. Der Experte stellte fünf Designfehler der Cookie-Richtlinie heraus und verglich sie mit dem Entwurf der neuen ePrivacy-Verordnung. Sein Fazit: Auch die neue Verordnung regle das Wichtigste nicht: die Erstellung von Nutzungsprofilen. Pseudonymes (Thirdparty-)Tracking ohne Nutzerkonto stehe künftig dem personenbezogenen Tracking für einen bezahlten Dienst gegenüber. Der Nutzer zahle also für etwas, das datenschutzfeindlicher ist.

Rechtsanwalt Dr. Tim Wybitul sprach über Betriebsvereinbarungen nach der DSGVO. Sein Appell: Für eine klare Verteidigungsstrategie im Ernstfall sollten Unternehmen frühzeitig klare Ziele festsetzen. Unter der Moderation von Dr. Eugen Ehmann gaben schließlich Renate Nicolay (Kabinettchefin von Vera Jourová), Rechtsanwalt Michael Neuber (Justiziar des BVDW) und Dr. Stefan Hanloser (Vice President Data Protection Law bei der ProSiebenSat.1 Group) kurze Statements zum Privacy Shield und zur ePrivacy-Verordnung. Die Kommission werde sich, so Nicolay, im Mai 2018 an die Bürgerinnen und Bürger wenden und eine Informationskampagne für Kinder und Schulen starten. Auf die Frage, wie sich die weitere Umsetzung der DSGVO gestalten werde und ob die Wirtschaft, insbesondere der Mittelstand, unter den neuen Vorgaben zu leiden hätte, schloss Ehmann mit einem pragmatischen Hinweis: „Lassen Sie uns erst einmal anwenden.“ Renate Nikolay ergänzte: „Die Umsetzung macht’s!“.