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27.03.2018 | Hamburg

„Unternehmen brauchen Rebellen“

Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger an der FOM

„In Deutschland herrscht Skepsis, ja, ein furchtgetriebener Abwehrkampf gegen radikale Innovation.  Aber wenn wir uns bei der digitalen Transformation nicht sputen, brauchen wir uns um Arbeit und Führung 4.0 erst gar nicht zu kümmern.“

Mitreißend, provozierend und einprägsam skizzierte Thomas Sattelberger bei der FOM Sonderveranstaltung „New Work & Leadership“ in Hamburg, warum die deutsche Wirtschaft in internationalen Rankings immer schlechter abschneidet und was geschehen muss, um alte Strukturen aufzubrechen und eine innovationsfreundliche Umgebung zu schaffen. Knapp 200 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten den Ausführungen des renommierten Management-Vordenkers und früherem Personalvorstand der Deutschen Telekom im FOM Hochschulzentrum Hamburg.

Thomas Sattelberger bei der FOM Sonderveranstaltung „New Work & Leadership“ in Hamburg (Foto: FOM / Christian Stelling)
Thomas Sattelberger bei der FOM Sonderveranstaltung „New Work & Leadership“ in Hamburg (Foto: FOM / Christian Stelling)

„Deutschland kann Effizienz, damit waren wir jahrzehntelang erfolgreich. Für eine Technologie, die in der Kaiserzeit begründet wurde, braucht man auch nur Effizienz-Innovation. Aber um heute mithalten zu können, sind Produkt-Innovation und innovative Geschäftsmodelle unverzichtbar“, so Sattelberger, der aktuell auch Bundestagsabgeordneter ist. Eine der größten Herausforderungen in den Unternehmen dabei sei der notwendige Wandel in der Führung: „Enge Führung und Arbeitskultur sind innovationsfeindlich, schlechte Führung und Arbeitskultur bedeuten Innovationstod. Der Dieselskandal ist nicht nur die Götterdämmerung von Verbrennungsmotor und Innovationsarmut, sondern auch die Götterdämmerung der Firmenautokratie.“

Für einen Neuanfang müssten Unternehmen sich von alten Kadern und Seilschaften befreien und sich stattdessen dosiert für Rebellen, Disruptoren und Musterbrecher öffnen. Denkbar seien auch systemische Ansätze wie „Clubs der toten Dichter“, die wie im gleichnamigen Film neue Formen von Zusammenarbeit und Führung neben einer alten Institution erprobten und diese quasi als Innovation Lab veränderten. Auch mit Blick auf die politischen Handlungsfelder mahnte Thomas Sattelberger an, am Experiment zu lernen, um Innovation nach vorn zu bringen und den Arbeitswelten der Zukunft einen neuen Rahmen zu geben: „Wir müssen regionale Technologie- und Wirtschafts-Szenarios entwickeln, Eco-Systeme für Innovation und Gründung schaffen, wie es sie in anderen Ländern schon gibt, um die Zahl hochwertiger MINT-Gründungen auch bei uns zu steigern, und wir werden neue Arbeitszeitgesetze und eine neue Arbeitsstättenverordnung für digitale Arbeit brauchen.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion vertieften die Teilnehmenden zum Beispiel die Frage, wie es in Unternehmen gelingen könne, den Kurs zu ändern. „Mitarbeiter wollen heute selbstbestimmter arbeiten und gerade für ihr Commitment wertgeschätzt werden. Das erfordert, dass Führungskräfte bereit sind, sich zu verändern, eine andere Rolle einzunehmen und auch, sich selbst von Peers und Mitarbeitern bewerten zu lassen“, gab Prof. Dr. Stefan Thode, Coach, Moderator und FOM Professor für Internationales Management, zu bedenken.

Christiane Brandes-Visbeck, FOM Dozentin für Medienindustrie & Leadership, die die Sonderveranstaltung gemeinsam mit Moderator Sebastian Müller (Geschäftsführer DIE FÜHRUNGSKRÄFTE in Hamburg) initiiert hatte: „Die Chancen stehen gut, wenn es im Unternehmen eine positive Grundstimmung zu Veränderung gibt und wenn im mittleren Management mindestens ein Drittel der Bereichsleiter bis Projektleiter motiviert sind, diese Prozesse mitzugestalten und sich miteinander zu vernetzen.“

Volles Haus an der FOM in Hamburg (Foto: FOM / CHristian Stelling)
Volles Haus an der FOM in Hamburg (Foto: FOM / CHristian Stelling)