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08.06.2018 | Frankfurt a. M.

Wissenschaftler der FHM Köln und FOM Hochschule Frankfurt simulieren den WM-Verlauf

Messi bleibt unvollendet - Deutschland und Frankreich im WM-Finale

Fußball ball mit verschiedenen Flaggen istock siloto
Wer wird Weltmeister 2018? (Foto: istock/siloto)

Professor Dr. Michael Groll von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln und Professor Dr. Bernd Giezek von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Frankfurt haben wissenschaftlich errechnet, wie die Chancen für Deutschland bei der WM 2018 stehen. Neben vielen rassigen Spielen sagen die beiden Wissenschaftler nur wenige große Überraschungen bevor. Bereits im Viertelfinale sind die Favoriten unter sich. Deutschland muss England und Spanien aus dem Turnier werfen, um im Finale gegen Frankreich zu spielen, das gegen Argentinien und Brasilien gewinnen wird.

Statistische Messgrößen und der Faktor Zufall

Professor Dr. Michael Groll von der FHM Köln und Prof. Dr. Bernd Giezek von der FOM Frankfurt haben in einem seit mehreren großen Fußballturnieren bewährten Modell den möglichen Verlauf der Fußball-Weltmeisterschaft prognostiziert. Zunächst wurde durch statistische Berechnungen eine Rangfolge der teilnehmenden Mannschaften ermittelt. Bei der anschließenden Simulation anhand des WM-Spielplans wurden zusätzliche Sondereffekte und Zufallsfaktoren einbezogen. Die statistische Berechnung berücksichtigte verschiedene Messgrößen: die aktuellen Wettquoten, der Marktwert der Mannschaften, die Anzahl der Siege und die Anzahl der geschossenen Tore in der WM-Qualifikation. Aus den daraus entstehenden Werten ergibt sich eine Rangliste der aussichtsreichsten WM-Teilnehmer. Die stärksten zehn Teams sind demnach in abfallender Reihenfolge Brasilien, Deutschland, Spanien, Frankreich, England, Argentinien, Portugal, Belgien, Uruguay und Kolumbien. Unter den zehn stärksten Mannschaften sind also sechs aus Europa und vier aus Südamerika. Der höhere Wert entscheidet über den Favoritenstatus in den jeweiligen Partien.

Wenn es allein danach ginge, wäre der Ausgang der WM wenig überraschend: die vier stärksten Mannschaften kämen ins Halbfinale, in dem Brasilien gegen Frankreich und Deutschland gegen Spanien gewännen. Aber Fußball wäre nicht so spannend, wenn es nur Favoritensiege geben würde. Der Reiz besteht bei komplexen Spielsituationen ja gerade darin, dass unvorhergesehene Dinge passieren. Glück und Pech, falsche Schiedsrichterentscheidungen, Pfosten- und Lattentreffer sowie Verletzungen sind nicht zu steuernde Parameter, die gemeinhin unter dem Phänomen Zufall bekannt sind. Nicht zuletzt entscheidet aber oftmals die auch Tagesform der Spieler, welche als Abweichung vom geschätzten Qualitätspotenzial verstanden wird, über Sieg oder Niederlage.

Die Vorhersage beruht auf der Annahme, dass bei circa zwölf der insgesamt 48 Partien der WM-Gruppenspiele Ergebnisse geben wird, bei denen entweder die Tagesform oder das Glück den Ausschlag für das nicht-favorisierte Team geben und die somit als Überraschung angesehen werden müssen. Etwa vier davon sind große Überraschungen. Bei den letzten Großereignissen gab es einige dieser Spielausgänge. Die EM 2012 war geprägt von Deutschlands Ausscheiden gegen Italien und vom vorhergesagten Ausscheiden der Niederlande nach der Vorrunde. Von der WM 2014 sind vor allem noch das prognostizierte Ausscheiden der spanischen Nationalmannschaft in der Vorrunde sowie das Vordringen der Underdogs aus Costa Rica ins Viertelfinale in Erinnerung. Bei der letzten EM sorgten die Isländer mit dem Viertelfinaleinzug für eine kleine Sensation.

Für die bevorstehende WM erwarten wir wieder überraschende Ergebnisse, die das Weiterkommen eigentlich stärkerer Teams in Frage stellen. Da der Faktor Unvorhergesehenes eben nicht beeinflusst oder gesteuert werden kann und vor allem eins, nämlich nicht vorherzusehen ist, beruht unsere Prognose zu 80% auf statistischen Berechnungen und zu 20% auf Zufall, das heißt der zufälligen Über- oder Untergewichtung der maßgeblichenen Erfolgsparameter. Dieses Zufallsfünftel unterziehen wir noch einem Plausibilitätscheck, quasi einer kritischen Analyse der Zufallsprognose unter Zuhilfenahme der allen Fans zur Verfügung stehenden Informationen bezüglich Verletzungen, Nichtnominierungen, taktischer Ausrichtung und der allgemeinen Formkurven der antretenden Mannschaften.

Die Vorrunde

Die Prognosen bezüglich des Ausgangs der Vorrunde ergeben folgende Ergebnisse:

Mathematisch geht die Gruppe A klar an Uruguay. Ob Russland vom Heimbonus profitieren kann, ist nicht quantifizierbar. Das ägyptische Team mit dem Shooting Star Salah zieht trotz dessen Verletzung im Champions League Finale ins Achtelfinale ein, weil er spätestens im zweiten Gruppenspiel wieder mit dabei sein wird.

Gruppe B wird von Spanien und Portugal dominiert, wobei die Portugiesen nur Gruppenzweiter werden. Marokko und Iran werden nicht mehr als Farbtupfer bei dieser WM sein.

In Gruppe C kommt Frankreich als Gruppensieger sicher weiter. Obwohl Peru ein hartnäckiger Gegner ist, ziehen die Dänen ins Achtelfinale ein. Australien wird mehr Sympathien als Punkte einfahren.

In Gruppe D geht es heiß her. Island kann seinen EM-Erfolg zwar nicht wiederholen, spielt aber das Zünglein an der Waage. Argentinien knüpft an die durchwachsene Leistung in der Qualifikation an und wird nur Gruppenzweiter hinter den überzeugenden Kroaten. Nigeria steht in dieser Gruppe auf verlorenem Posten.

In Gruppe E gibt es keine Überraschungen. Brasilien behält klar die Oberhand vor der Schweiz, die sich Costa Rica nur mit Mühe vom Leib halten können. Serbien bleibt nicht viel mehr als die Statistenrolle.

In Gruppe F wird Deutschland erwartungsgemäß als Gruppenerster weiterkommen. Zwischen Mexiko und Schweden wird es eng zugehen, aber die Mexikaner um den Ex-Leverkusener Chicharito haben mathematisch die besseren Karten.

Gruppe G sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Belgien und England, bei dem Belgien die Nase vorn haben wird. Panama und Tunesien fliegen nach den Gruppenspielen nach Hause.

In Gruppe H hat Senegal ein einziges afrikanisches Team die Chance auf das Achtelfinale. Während Kolumbien Gruppenerster wird, muss sich Polen auf ein Ausscheiden einstellen. Japan spielt bei dieser WM keine große Rolle.

Die KO-Spiele

Im Achtelfinale gibt es mit Frankreich gegen Argentinien schon einen echten Kracher, mit dem besseren Ende für Frankreich und dem bitteren Ende für Lionel Messi, dessen Traum vom WM-Titel jäh beendet wird. Deutschland bekommt es mit der Schweiz zu tun und wird diese Aufgabe lösen. Uruguay gegen Portugal (Portugal gewinnt) und Dänemark gegen Kroatien (Kroatien gewinnt) sind weitere knackige Achtelfinalspiele. Spanien gewinnt zudem gegen Ägypten und Brasilien gegen Mexiko. Die übrigen Paarungen lauten Belgien gegen Senegal und England gegen Kolumbien, wobei jeweils die Erstgenannten ins Viertelfinale einziehen.

Das erste Viertelfinale heißt Frankreich gegen Portugal und danach heißt es von Cristiano Ronaldo Abschied nehmen. Spanien gegen Kroatien wird eine echte Knallerpartie, bei der Spanien knapp das bessere Ende für sich hat. Brasilien gegen Belgien ist ebenfalls ein rassiges Spiel, bei dem sich Belgien aus dem Turnier verabschieden wird. Deutschland gegen England ist ein Klassiker mit dem klassischen besseren Ende für Deutschland.

Spanien gegen Deutschland und Frankreich gegen Brasilien heißen die Halbfinalbegegnungen. Frankreichs Offensivpower triumphiert über Brasiliens Ballzauberer und Deutschland hat das Können und das notwendige Glück weiterhin auf seiner Seite.

Das WM-Finale Frankreich gegen Deutschland ist ein Spiel mit offenem Ausgang, bei dem Deutschland hoffentlich nicht nur mathematisch die Nase vorn haben wird.