08.06.2018 | Gütersloh

Absolvent Marius Westhoff

Von der FOM nach Harvard

Absolvent der FOM Hochschule in Gütersloh, Marius Westhoff (Foto: Privat)
Absolvent der FOM Hochschule in Gütersloh, Marius Westhoff (Foto: Privat)

FOM Absolvent Marius Westhoff hat es geschafft. Der 26-Jährige wird ab August an der Harvard Business School in den USA studieren. Sein Ziel ist der MBA-Abschluss. Im Interview erzählt er von seinen akademischen Anfängen als dualer Student und beschreibt seinen Weg von der FOM bis zum MBA-Studienplatz an einer der renommiertesten Managerschmieden weltweit.

Sie haben mit Bertelsmann dual an der FOM in Gütersloh studiert. Jetzt machen Sie Ihren MBA in Harvard. Wie kam es dazu?

Nach dem Abschluss des dualen Studiums an der FOM Hochschule und meiner Ausbildung bei Bertelsmann, arbeitete ich bei Bertelsmann India Investments in Mumbai, dem strategischen Investment-Arm von Bertelsmann. Damals stand für mich schon fest, dass ich noch einen MBA machen möchte, um international flexibler und nicht unbedingt an den regionalen oder nationalen Arbeitsmarkt gebunden zu sein.

Klingt spannend. Wie ging es dann für Sie weiter?

Noch während meiner Zeit bei Bertelsmann lernte ich meinen jetzigen Kollegen und CEO von „UpGrad“ kennen. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, seine Firma – eine Online Bildungsplattform – mit aufzubauen und so habe ich Bertelsmann India Investments im März 2015 verlassen und stieß in Mumbai zum Gründungsteam von UpGrad. Unsere Firma bietet Online-Programme in Kooperation mit renommierten indischen und internationalen Universitäten, z. B. der Cambridge University, an. Die Programme sind primär für Berufstätige geeignet – ähnlich wie bei der FOM – allerdings findet alles nur online und mit verschiedenen Bildungspartnern statt, die unsere Programme zertifizieren und abschließend auch die Zertifikate/Diploma vergeben.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den MBA?

Wir sind bei UpGrad anfangs mit sechs Leuten gestartet und haben nach und nach die Teams in Mumbai, Delhi, Bangalore, Hyderabad und Singapur ausgebaut. Mittlerweile zählt das Unternehmen rund 340 Mitarbeiter. Ich leite das Team, welches für neue Programme und das profitable Wachstum von unseren Programmen verantwortlich ist. Wie schon gesagt, ich wollte immer noch einen MBA machen, habe es aber Jahr für Jahr aufgeschoben, da die Firma sich gut entwickelt hat. Mitte letzten Jahres habe ich mir dann gesagt: Jetzt oder Nie und mich beworben.

Wie ist das Auswahlverfahren an der Harvard Business School? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, um aufgenommen zu werden?

Im ersten Bewerbungsschritt müssen Unterlagen eingereicht werden. Neben den Klassikern wie Lebenslauf und Abschlusszeugnissen des Studiums, kommen noch Unterlagen hinzu, wie einen Aufsatz über die persönliche Motivation, nach dem Motto: „Was treibt Dich an?“, Antworten zur Karriere, zwei Referenzschreiben von Vorgesetzten oder Kollegen, sowie die Ergebnisse im Graduate Management Admission Test (GMAT). Dieser Multiple-Choice-Test prüft analytische, sprachliche und logische Fähigkeiten – man sollte zusehen dass man auf einen Wert von mindestens 720 kommt. Auch ein Nachweis über sehr gute Englischkenntnisse muss erbracht werden, z.B. im TOEFL-Test – hier ist ein Wert ab 110 empfehlenswert.

Danach bekommen etwa 75 Prozent der Bewerber eine Absage und etwa 25 Prozent gehen in die nächste Runde. Diese besteht aus einem persönlichen Interview mit einem Mitglied des Auswahlkomitees von der Harvard Business School. Nach der zweiten Runde werden dann etwa 30 bis 50 Prozent der Interview-Teilnehmer zugelassen, also nur ungefähr 10 Prozent aller Bewerber insgesamt.

Hat Ihnen das Wissen aus dem International Management Studium an der FOM bei Ihrer Bewerbung geholfen?

Was hilfreich war, ist die duale Studienerfahrung. „Co-op programs“, wie die Amerikaner es gerne nennen, werden immer bekannter und die Hochschulen schätzen die frühe Berufserfahrung. Von Vorteil war, dass ich bereits parallel zum Studium Berufspraxis sammeln konnte. Ehrlich gesagt werden nach wie vor wesentlich mehr Studenten mit Abschlüssen von Top-Universitäten wie St. Gallen, Oxford oder Cambridge zugelassen. Der Anteil von dualen Studenten in der MBA Klasse ist daher nach wie vor sehr gering. Allerdings steigt die Akzeptanz von dualen Studiengängen, insbesondere dann, wenn bekannte Unternehmen wie Bertelsmann im Spiel sind.

Wie bereiten Sie sich vor? Wann brechen Sie nach Boston auf?

Zurzeit gehe ich durch das Online-Programm von Harvard Business School, welches allen MBA Kandidaten zur Verfügung gestellt wird. Dort werden Kenntnisse in Finance, Accounting, Managerial Economics und Business Analytics aufgefrischt und die Kurse werden von Harvard-Dozenten durchgeführt. Ansonsten kümmere ich mich noch um viele administrative Geschichten wie Visa-Beantragung, Finanzierung, Unterkunft etc. Seit Ende Mai bin ich wieder in Europa, um etwas Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen und werde Ende August nach Boston fliegen.

Stichwort Studienfinanzierung: Werden Sie durch ein Stipendium gefördert?

Ja, Harvard ist sehr großzügig und vergibt relativ viele Stipendien. Im Schnitt bekommen etwa 50 Prozent aller MBA Teilnehmer mindestens ein Teilstipendium von Harvard.

Was versprechen Sie sich von dem Abschluss, bzw. welche Karriereziele haben Sie sich gesteckt?

In erster Linie freue ich mich auf eine Abwechslung. Ich habe die letzten sieben Jahre viel gearbeitet – in Deutschland und in Indien. In diesen Jahren habe ich zahlreiche Dinge „on-the-job“ gelernt, und bin deshalb etwas festgefahren, im Sinne von: So mache ich das. Ich freue mich daher in den nächsten Jahren etwas von dem „Ballast“ wieder zu verlernen und mir neue Methoden anzueignen, Probleme zu lösen. Ich freue mich auch auf viele neue Kontakte. Nach Harvard möchte ich gerne in der Education Industry bleiben. Entweder in einem Start-up-, in einem Venture Capital oder einem Private Equity Fund, der auf das Education Business spezialisiert ist.