• FOM
  • 2018
  • Juli
  • Prävention: Den einen richtigen Ansatz gibt es nicht
19.07.2018 | München

Prävention ohne Risiken und Nebenwirkungen?

Den einen richtigen Ansatz gibt es nicht

Prof. Dr. Gerald Mann, FOM Hochschule in München
Gesundheit weiter gedacht: Begrüßung der Gäste an der FOM durch Prof. Dr. Gerald Mann (Fotos: BARMER/FOM)

Gesundheitsförderung aus einem Guss: Das Präventionsgesetz sieht vor, Menschen in den Lebensbereichen „Wohnen“, „Lernen und Studieren“, „medizinische und pflegerische Versorgung“ sowie „Freizeitgestaltung und Sport“ besser zu informieren und mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zu unterstützen. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung der FOM Hochschule und der BARMER waren sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Sport einig: Den einen, richtigen Ansatz gibt es nicht. 

Prävention geht alle an. Sie sei wichtig, so Dr. Claudia Wöhler, bayerische Landesgeschäftsführerin der BARMER, um die gesellschaftliche Wohlfahrt und die Solidargemeinschaft der sozialen Sicherungssysteme langfristig zu erhalten. „Um nachhaltig Wirkung zu entfalten, müssen Präventionsprogramme der Krankenkassen durch Programme der Kommunen, der Schulträger, Hochschulen oder der Arbeitgeber flankiert werden“, forderte sie. Durch kranke Mitarbeiter entstünden der deutschen Wirtschaft immense Kosten. Laut Weltgesundheitsbericht könnten die Deutschen fünf bis zehn Jahre länger gesund bleiben, wenn sie sich mehr bewegten bzw. gesünder ernährten. „Bewegung und Prävention sind also ein Schlüssel für mehr Lebensqualität und (volks-)wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe müssen wir uns gemeinsam ins Zeug legen“, sagte Wöhler.

Referenten an der FOM Hochschule in München
Die Referentinnen und Referenten hielten lebhafte Vorträge und diskutierten angeregt über das Thema Prävention

Prof. Dr. habil. Manfred Cassens, Direktor des Instituts für Gesundheit & Soziales (ifgs) der FOM Hochschule, betonte in seinem Vortrag, dass bereits vorhandene Daten im Rahmen von Gesundheitsmonitoring von den Akteuren des Gesundheitswesens bislang weitgehend ignoriert würden. Als Beispiel führte er Auswertungen des Robert Koch-Instituts an, die aus langjährig erhobenen Daten resultierten. „Das Präventionsgesetz kommt nur dann zur Geltung, wenn die Folgen und Ergebnisse von Vorsorgemaßnahmen langfristig evaluiert und im Rahmen eines Public-Health-Action-Circles ausgewertet werden. In der aktuellen Evaluationspraxis sehe ich noch große Defizite.“

Mit dem Bayerischen Präventionsplan habe der Freistaat eine Strategie zur Stärkung der Prävention und Umsetzung des Präventionsgesetzes vorgelegt. Durch zahlreiche Maßnahmen versuche die Staatsregierung, die gesundheitliche Chancengleichheit und die bestmögliche Gesundheit für alle Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, sagte Ministerialdirigentin Dr. Gabriele Hartl, Leiterin Abteilung Prävention, Gesundheitsschutz im StMGP. Ihre positive Bilanz: „Wir haben ein Programm erarbeitet, vernetzte Strukturen geschaffen und setzen darauf, die Maßnahmen mit unseren Partnern auch zukünftig weiter auszubauen. Prävention ist ein lebendiges Feld. Sie ist vor allem dann erfolgreich, wenn sie das persönliche Verhalten des Einzelnen und die Lebenswelt nachhaltig gesundheitsorientiert verändert.“

Prävention müsse vor allem im Kopf jedes Einzelnen beginnen, forderte der mehrfache Europa- und Weltmeister im Ringen, Alexander Leipold, der als Spitzensportler von drei kurz aufeinander folgenden Schlaganfällen heimgesucht wurde. Leipold hat sich über einen sehr langen, disziplinierten Weg vollständig in das Arbeits- und Erwerbsleben zurückgekämpft und steht exemplarisch für das psychologische Konzept der Selbstwirksamkeit. Professor Cassens ist überzeugt, dass durch den eigenen Willen auch gesundheitliche Rückschläge schwersten Ausmaßes überwunden werden können. Die Motivation müsse vor allem von innen kommen, wenn Verhaltensweisen dauerhaft beeinflusst werden sollen.

Im Anschluss an die Vorträge folgte eine rege Diskussion, bei der Stephanie Jacobs, Referentin für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, gemeinsam mit den Rednerinnen und Rednern zahlreiche Fragen der über 100 Gäste beantwortete. Zur Sprache kam auch der im Bau befindliche Münchner Stadtteil Freiham, für dessen Bevölkerung eine Präventionskette vorgesehen ist, die Angebote in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales bündeln soll. Fazit von Thomas Schweigler, stellvertretender Geschäftsleiter der FOM in München: „Die Veranstaltung hat bewiesen, dass das Thema Prävention hochaktuell ist und auf verschiedenen Ebenen intensiv weiterentwickelt wird.“