10.07.2018 | Dortmund und München

Tutoren in China aktiv

FOM Wohngemeinschaft in Fernost

Rushhour auf Chinesisch: Menschenmassen schieben sich über Bürgersteige, auf den Straßen steht der Verkehr. Dunstwolken hängen zwischen Hochhäusern und vernebeln den Horizont. „Willkommen in Tai’an“, ruft Christian Ernst dem Lärmpegel entgegen. „Die Stadt schläft nie“, ergänzt Simon Kramer und beide schwingen sich in den Bus Richtung Universität.

Christian Ernst und Simon Kramer unterwegs in der Stadt Chongqing (Foto: privat)

Im Bus ist es ruhiger. Die zwei machen es sich bequem und verfolgen den Trubel durchs Fenster. „Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass Studenten als Tutoren für vier Monate nach China reisen können, war mein Fernost-Weh sofort geweckt“, erinnert sich Christian Ernst. Der Münchner FOM Bachelor-Absolvent bewarb sich an der German-Sino School. Beim Tutoren-Workshop lernte er Master-Student Simon Kramer aus Dortmund kennen. „Kurzerhand beschlossen wir, in China in eine Wohngemeinschaft zu ziehen“, so Simon Kramer. „Genau dahin fahren wir jetzt!“

Die Shandong Agricultural University liegt mitten in der fünf-Millionen-Einwohnerstadt Tai’an. Viele Studierende leben im Wohnheim am Rande des Campus. „Ob Supermärkte, Sportanlagen oder Seminarräume – das wichtigste erreicht man von hier zu Fuß“, sagt Simon Kramer als er die Wohnungstür aufschließt. „Die Küche ist so ordentlich, weil wir meistens in der Mensa essen“, bemerkt Christian Ernst augenzwinkernd.

Die beiden FOM Tutoren auf dem West Pearl Tower in Chengdu (Foto: privat)

Die Wohnung steht oft leer: „Abends sind wir auf dem Campus unterwegs, spielen mit den Studierenden Fußball, gehen schwimmen oder essen zusammen. Und an den Wochenenden reisen wir durchs Land. Vor kurzem haben wir uns die Terrakotta-Armee angeschaut, davor waren wir schon in Peking und Chengdu“, geraten beide ins Schwärmen. „Jetzt wird aber erstmal gearbeitet!“

Jeder Tutor unterrichtet täglich drei je neunzigminütige, deutschsprachige Unterrichtseinheiten für die chinesischen Studierenden, die sich auf ihr kommendes Studienjahr in Deutschland vorbereiten. „Vor mir sitzen dann etwa 40 junge Chinesen, mit denen ich BWL wiederhole“, erläutert Simon Kramer auf dem Weg über den Campus. „Das war anfangs schon sehr ungewohnt. Mittlerweile haben wir uns aber alle kennengelernt und die Tutorien machen riesigen Spaß“. Christian Ernst nickt zustimmend. „Dort drüben im Supermarkt haben wir unseren ersten Einkauf erledigt. Von lebenden Fischen und Fröschen bis hin zu Grundnahrungsmitteln gibt es alles – außer Haribo und Käse.“

Heute steht das Modul „Projektmanagement“ auf dem Lehrplan. „Viele Inhalte kenne ich noch aus meinem Studium. Trotzdem bereiten wir jede Unterrichtseinheit vor. Diesmal führe ich eine Gruppenarbeit durch“, verrät Christian Ernst und verschwindet im Seminarraum. „Chinesische Studierende sind es nicht gewohnt, ihren Professoren Fragen zu stellen. Deshalb sind wir Tutoren wichtige Ansprechpartner“, ergänzt Simon Kramer bevor auch er seinen Kurs begrüßt.

Eineinhalb Stunden später ist Feierabend. „Wir gehen jetzt noch mit ein paar Studierenden Abendessen“, freuen sich die beiden. „Und demnächst geht es für uns zur chinesischen Mauer und nach Shanghai.“