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06.12.2018 | Stuttgart

Gleichstellung in Deutschland: Einiges erreicht – aber es bleibt viel zu tun

„Es gab mehr Männer mit dem Vornamen Hans als Frauen in Führungspositionen“

Gehören Unterschiede im Entgelt sowie Benachteiligungen beim Aufstieg von Frauen und ihrer Teilhabe an Führungspositionen endlich der Vergangenheit an? Bei einer Veranstaltung der FOM Hochschule in Stuttgart in Kooperation mit FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) e.V. beleuchteten Experten den Status Quo in Deutschland und stellten sich der Diskussion.

Melanie Tondera, Gesamt-Geschäftsleiterin des FOM Hochschulzentrums in Stuttgart, stellte in ihrer Begrüßung zunächst die FOM als größte private Hochschule Deutschlands vor. Dr. Michaela Damson, Regionalvorstand Südwest FidAR e.V., berichtete von Erfolgen im Kampf um die Gleichstellung. Sie wies allerdings auch auf nach wie vor bestehende Ungleichheiten hin. Schulz-Strelow: „Unsere Veranstaltung trägt den Titel ‚Ungleich war gestern‘. Doch leider sieht es noch nicht wirklich so aus. Obwohl sich in den vergangenen Jahren einiges getan hat. Immerhin wirkt die Quote in den Aufsichtsräten der 186 größten deutschen Unternehmen. Dort sitzen heute 71,9 Prozent Männer. Vor zwölf Jahren waren es noch 90 Prozent.“

Verteilungsforscher Prof. Dr. Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomie und Befragung, war aus München per Skype zugeschaltet und fand deutliche Worte. „Deutschland ist Drittletzter in Europa, was Frauenanteile in Führungspositionen der Unternehmen betrifft“, so der Experte. Peichl macht nicht zuletzt staatliche Regelungen als Hemmnis für Gleichstellung in Deutschland aus. Der Professor: „Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung in der Sozialversicherung, mangelhaftes Betreuungsangebot für Kleinkinder, die so genannte ‚Herdprämie‘ – das alles mündet in einem deutschen Motto. ‚Frauen an den Herd‘ steht für die Zeit von Bismarck und galt schon viel zu lange“. Mit einem drastischen Beispiel veranschaulichte der Leiter des ifo Zentrums die Situation in der Politik. Seit 1949 gab es 692 beamtete Staatssekretäre in Deutschland. Nur 19 davon waren Frauen. Peichl: „Es gab mehr Männer mit dem Vornamen Hans als Frauen in Führungspositionen!“

„Viele Mädchen wollen Prinzessin sein. Aber als Frau kann man auch Königin werden“, brachte Elke Benning-Rohnke, Vizepräsidentin FidAR e.V., den Anspruch der Initiative „Ungleich war gestern“ auf den Punkt. In 35 Jahren Berufsleben habe sie verschiedene Stationen durchlaufen. Heute, so die Referentin, vertrete sie eine klare Position: „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen gleichberechtigte Teilhabe im Job erleben“. Benning-Rohnke stellte dem Auditorium vier Selbstverständlichkeiten vor, für die sie kämpfe: Sichtbare gleichberechtigte Teilhabe in Vorstands- und Führungspositionen sowie Gremien, gleiche Bezahlung und Schließung von Lohnlücken, geschlechtsneutrale Auswahl von Talenten sowie die Ablehnung einer freiwilligen Zielgröße „Null“ für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und Führungspositionen.

Elke Lücke, Leiterin Personalentwicklung & Talentstrategie der Porsche AG, sorgte mit einer Anzeigenkampagne aus dem Jahr 1973 für Schmunzeln unter den zumeist weiblichen Zuhörern. Damals wandte sich Porsche ausschließlich an männliche Käufer – und suchte ausschließlich männliche Mitarbeiter. „Der gesellschaftliche Wandel stellt auch uns vor große Herausforderungen“, so Lücke. 16 Prozent der Belegschaft beim schwäbischen Sportwagenbauer sind inzwischen weiblich. Und die Ziele sind bei Porsche klar definiert. „Auf der ersten, zweiten und dritten Ebene unterhalb des Vorstands haben wir in den zurückliegenden Jahren den Anteil der Frauen auf neun beziehungsweise zehn Prozent gesteigert. Für das Jahr 2021 liegt die Zielvorgabe bei jeweils 15 Prozent“. Lücke wandte sich auch an junge Frauen und sprach ihnen den Mut zu, in technische Berufe zu gehen. Die Expertin: „50 Prozent der Frauen studieren – aber leider oft noch das Falsche“.