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16.08.2018 | Kassel

China-Tutorin Jill Muenzer zieht Bilanz

„Ich bin mit offenem Herzen nach China gereist und wurde positiv überrascht“

Es waren ereignisreiche Monate für Jill Muenzer an der Shandong Agricultural University in der chinesischen Provinz Tai’an. Nach vier Monaten als Tutorin in China, einem völlig anderen Kulturkreis, ist die 34-Jährige nun wieder zurück in Deutschland und schreibt ihre Bachelor-Thesis an der FOM in Kassel. Mit vielfältigen Erinnerungen im Gepäck zieht Jill Muenzer nach ihrer Rückkehr nun Bilanz.

FOM Studentin Jill Muenzer war für Vier Monate als Tutorin in China (Foto: Jill Muenzer / Privat)
FOM Studentin Jill Muenzer war für Vier Monate als Tutorin in China (Foto: Jill Muenzer / Privat)

Vier Monate im Reich der Mitte. Was ist Ihnen am meisten im Gedächtnis geblieben?
Das Land und die Leute. Eindeutig! Ich habe neben der beruflichen Herausforderung als Tutorin einen tiefen Einblick in diesen völlig anderen Kulturkreis bekommen. Teilweise durch die Studierenden, teilweise durch Personen, die einen frei auf der Straße ansprechen und sich für mich und meine Kultur interessierten.

Im Kopf bleiben einem natürlich auch Umstände wie die sanitären Bedingungen – ganz anders als wir sie aus westlichen Ländern kennen. Die Lebensumstände erscheinen in China minimalistischer, aber zugleich ist die Technik viel fortschrittlicher. Ich habe mich in diesem Land sehr wohl und aufgehoben gefühlt und das hat für mich die Reise dorthin sehr wertvoll werden lassen.

Jill Muenzer unterrichtete in Tutorien u.a. diese Studierenden aus dem vierten Semester (Foto: Jill Muenzer / Privat)
Jill Muenzer unterrichtete in Tutorien u.a. diese Studierenden aus dem vierten Semester (Foto: Jill Muenzer / Privat)

Wie unterscheidet sich eine Vorlesung in Deutschland von einer in China?
Es herrscht viel weniger Interaktion – die chinesischen Studierende sind klassische Auswendiglerner und hinterfragen selten etwas; was aber eher daran liegt, dass sie einem straffen Programm folgen und nicht viel Zeit haben sich ausgiebig mit allen Themen auseinanderzusetzen. Zusätzlich zum Vollzeitstudium gibt es tägliche Tutorien, die die Studierenden besuchen müssen. In dieser Zeit werden offene Fragen geklärt, das aktuelle Thema wiederholt und Aufgaben gestellt und gelöst.

Was war Ihre Aufgabe als Tutorin?

Wir Tutoren versuchten die Studierenden dazu zu animieren, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen und auf Deutsch zu sprechen bzw. zu schreiben, damit sie in der Sprache bleiben und denken. Das stellte mich immer wieder vor Herausforderungen, da mache Teilnehmenden sehr schüchtern waren.

Wie lief es mit der Verständigung?

Es gab beim Sprachniveau große Unterschiede zwischen den Studierenden. Manche waren aufgeweckt, interessiert und konnten sehr gut Deutsch. Allerdings gab es auch einige Studierende, die noch große sprachliche Probleme hatten. In der Not hat dann ein anderer Student auf Chinesisch übersetzt oder es wurde in Ausnahmefällen Englisch gesprochen.

Wie war der Kontakt zu den Chinesen?
Der Kontakt war anfänglich verhalten, bis wir Tutoren die Initiative ergriffen und den Studierenden zeigten, dass wir an einer Kommunikation außerhalb des Tutoriums interessiert sind. Darüber haben sich die Studierenden sehr gefreut und wir konnten auch über andere Themen als den Vorlesungsinhalt sprechen.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Ja, in jeder Hinsicht – sogar noch mehr als ich erwartet hatte. Durch das Tutoren-Programm habe ich über einen längeren Zeitraum von vier Monaten einen tollen Einblick in das Land und die Menschen bekommen. Die anfängliche Skepsis als Nicht-Muttersprachler in einem für mich völlig fremden Land zu unterrichten, war schnell verflogen, da die Studierenden großes Engagement und Neugierde zeigten.

In welcher Hinsicht hat Sie das Tutoren-Programm weitergebracht?
Es war interessant mal als lehrende Person auf der anderen Seite zu stehen. Wir Tutoren mussten ein 90-Minuten Programm, dreimal am Tag, durchführen und den Vorlesungsstoff mit den Studierenden auf-, bzw. nacharbeiten. Ich habe dabei immer versucht mit den Studierenden viel zu sprechen bzw. so viel Unterstützung wie möglich zu geben. Im Zuge dessen konnte ich verschiedene Präsentations-Techniken ausprobieren und meine Skills verbessern. Auf der interkulturellen Ebene habe ich ein besseres Verständnis für die chinesische Kultur erlangt – das, finde ich, spielt für meine berufliche und auch private Zukunft eine wichtige Rolle.

Sie stehen kurz vor dem Studienabschluss, wie geht es jetzt für Sie weiter?
Ich konzentriere mich jetzt auf den Studienabschluss – ich muss nur noch die Bachelor-Thesis anfertigen – und bleibe in meinem Heimatort Kassel. Nach dem Abschluss schaue ich deutschlandweit nach einer neuen beruflichen Möglichkeit im Beratungsbereich. Das Thema Ausland ist für mich damit noch nicht abgeschlossen und ich lasse mich überraschen, was als nächstes auf mich zukommt.

Ihr persönliches Fazit?
Ich bin mit offenem Herzen nach China gereist und wurde positiv überrascht. Ich habe tolle Menschen und eine liebevolle Kultur kennengelernt.

Abseits des Hörsaals blieb auch Zeit für Sightseeing. Jill Muenzer besuchte u.a. die Chinesische Mauer (Foto: Jill Muenzer / Privat)
Abseits des Hörsaals blieb auch Zeit für Sightseeing. Jill Muenzer besuchte u.a. die Chinesische Mauer (Foto: Jill Muenzer / Privat)