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09.08.2018 | München

Wie ist es, mit Ende 40 noch einmal zu studieren?

„Für mich war es Luxus, Wissen zu konsumieren“

Sabine Unger ist Leiterin der Munich Creative Business Week (MCBW). Mit Ende 40 schrieb sie sich im Master-Studiengang „Human Resource Management“ an der FOM Hochschule in München ein. Heute, als erfolgreiche Absolventin, sagt sie: „Das Studium hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.“

Frau Unger, was hat Sie gereizt, mit Ende 40 noch einmal zu studieren?
Zu Beginn meiner Berufslaufbahn war ich im pädagogisch-therapeutischen Bereich tätig. Da diese Arbeit mich zunehmend belastet hat, wollte ich mich neu orientieren und wechselte zur Akademie Mode & Design (AMD). Als Münchner Standortleiterin fehlte mir jedoch ein Nachweis, eine offizielle Bestätigung, dass ich wirklich kann, was ich da tue. Mit dem Master-Studium wollte mir im Hinblick auf potenzielle Arbeitgeber – aber auch für mich selbst – größere Sicherheit verschaffen und mein eigenes Standing in der Arbeitswelt stärken.

Sabine Unger (Foto: privat)

Haben potenzielle Arbeitgeber Sie nach Ihrem Abschluss anders wahrgenommen?
Auf jeden Fall. Mein Alter war plötzlich kein Thema mehr in Bewerbungsgesprächen. Ich habe mich viel sicherer gefühlt und wusste: Ich kann auch mit jüngeren Bewerbern mithalten! Das war mir bereits während der Vorlesungen aufgefallen. Mit über 40 habe ich natürlich eine ganz andere Haltung – sowohl im Beruf als auch im Studium. Für mich war es purer Luxus, einfach noch mal Wissen zu „konsumieren“ und mir nicht alles selbst zu erarbeiten. Ich habe mich privilegiert gefühlt und wirklich jede Minute der Lehrveranstaltungen ausgekostet. Jüngere Studierende wissen das oft gar nicht so zu schätzen.

Gab es auch etwas, das Ihnen schwergefallen ist? Das Sie vorher gar nicht bedacht hatten?
Ganz klar das Thema „Prüfungen“ zu Beginn des Studiums. Nach so vielen Jahren im aktiven Berufsleben war ich es gewohnt, alles zu hinterfragen, zu analysieren und im Team abzusprechen, um dann differenzierte Antworten zu geben. In den meisten Prüfungssituationen muss man dagegen vor allem gelerntes Wissen wiedergeben. Das musste ich mir erst wieder bewusst machen. Jüngeren Studierenden fällt das bestimmt leichter, weil die Schulzeit bei ihnen noch nicht so lange vorbei ist.

Sie haben vor Ihrem Master-Studium selbst Vorträge gehalten und Moderationskurse gegeben. Wie war es für Sie, noch einmal in die Rolle der Lernenden zu schlüpfen?
Etwas kribbelig wurde ich, wenn sich bei einer Vorlesung oder auch sonst Unruhe breit machte, ohne dass der Dozent richtig durchgegriffen hätte. Da wäre ich oft am liebsten einfach aufgestanden und hätte die Kommilitonen selbst um Ruhe gebeten. Aber im Grunde war es enorm bereichernd, mal wieder auf der anderen Seite zu sitzen. Ich habe von den motivierenden, guten Lehrenden viel mitgenommen für mein Berufsleben.

Was war die größte Herausforderung, die Sie zu meistern hatten?
Der Generationenunterschied im Hörsaal war schon eine Herausforderung. Bei jüngeren Kommilitonen hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie das Studium an sich vorbeirauschen lassen und sich kaum einbringen. Das war wirklich schade, denn die Präsenzvorlesungen haben mir selbst unglaublich viel gebracht. Alles in allem war mir aber von vornherein klar, dass ich nicht so ticke wie jüngere Menschen mit Anfang 20. Das Studium selbst war eine auf allen Ebenen bereichernde Erfahrung und ich würde es jederzeit wiederholen.