• FOM
  • 2018
  • August
  • Reise in die Zukunft der globalen Unternehmenswelt
24.08.2018 | Bremen

Reise in die Zukunft der globalen Unternehmenswelt

„Führungskräfte 4.0 sollen offensichtlich übers Wasser wandeln können“

Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth sprach über Future Skills für die Führung 4.0 (Foto: FOM)
Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth sprach über Future Skills für die Führung 4.0 (Foto: FOM)

Was macht aus Sicht der Strategischen Frühaufklärung (Corporate Foresight) zukunftsrobuste Führung aus? Wo sieht die wissenschaftliche Zukunftsforschung Firmen in 30 Jahren? Diesen und weiteren Fragen widmetet sich Prof. Dr. Friederike Müller-Friemauth, Zukunftsforscherin und FOM Professorin für Innovationsmanagement, in ihrem Vortrag zum Thema „Germany’s next Superboss“ am Bremer Hochschulzentrum. „Die aktuellen Buzz-Words der Zukunftsdebatte vermitteln vielen Unternehmerinnen und Führungskräften einen spontan naheliegenden Eindruck: Deutschland sucht den Superchef“, so die Professorin. Anwesend waren Interessierte, um sich über Future-Skills für Führungskräfte auszutauschen.

Der allgemeine Eindruck der Anwesenden: Seit mehreren Jahren werden Entscheider von Politik und Medien mit Forderungen überzogen, sie sollten zur Führungskraft 4.0 mutieren. Mal würden diese Leader als digitale Helden präsentiert werden: Spezialisten fürs Quantitative, die in Echtzeit die Umsatzzahlen ihrer Mitarbeiter mit der Prognose fürs nächste Jahr verrechnen können und deren beste Freundin Alexa heißt. Mal werden sie „transformational“ genannt. „Verwandeln sollen sie erstens sich selbst, zweitens ihre Mitarbeiter und drittens das Unternehmen. Sie haben zu coachen, zu inspirieren, jederzeit ansprechbar zu sein, selbstkritisch, strahlende Vorbilder und begnadete Netzwerker“, so Müller-Friemauth. Oben aufs Treppchen komme allerdings nur, wer alles zusammen könne. „Führungskräfte 4.0 sollen offensichtlich übers Wasser wandeln können“, stellt Müller-Friemauth fest.

Der Vortrag nahm den Hype um die neuen Business-Heilsbringer zum Anlass, sich mit praxistauglichen Alternativen zu beschäftigen. Im Fokus standen Beispiele und Prinzipien; etwa die Führungsmechanik in sogenannten „skalierenden Unternehmen“. Dies meint volldigitalisierte Firmen, die über eine beständige Performance-Steigerung, deren kleinteilige Umsetzung nahezu gänzlich in der Verantwortung eines jeden einzelnen Mitarbeiters steht, exponentiell wachsen. Was machen dann aber die etablierten Führungskräfte von heute? „Mindsets setzen und lenken: Organisationale Systeme führen! Das lernt man heute jedoch kaum – mit ‚Vier Seiten einer Nachricht‘ und traditioneller Kommunikationstheorie lässt sich in solchen Unternehmen künftig kein Blumentopf mehr gewinnen“, so die Expertin.

Im anschließenden  Austausch interessierten sich die Teilnehmenden unter anderem für den Bezug zur „New Work“-Debatte, zur teilweisen Zurückhaltung des deutschen Mittelstandes beim Thema Digitalisierung oder auch konkrete Beispiele aus Branchen oder gesellschaftlichen Teilbereichen. „Ein vielseitiges Spektrum, das sich natürlicherweise aus den zahlreichen komplexen Vernetzungen und Nebenfolgen dieser ‚Schönen Neuen Welt‘ für die gesamte Gesellschaft ergibt“, so Müller-Friemauth.