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  • Augsburgs Sozialbürgermeister über den hohen Bedarf an Sozialarbeitern
08.08.2018 | Augsburg

Augsburgs Sozialbürgermeister im Gespräch

"Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl"

Augsburgs Sozialbürgermeister Dr. Stefan Kiefer
Augsburgs Sozialbürgermeister Dr. Stefan Kiefer spricht über den Bedarf an Fachkräften in der Sozialen Arbeit (Foto: Ruth Plössel, Stadt Augsburg)

In der Familienhilfe, im Bereich der Rehabilitation und bei der Integrations- und Flüchtlingshilfe: Der Bedarf an Sozialpädagogen und Sozialarbeitern in Augsburg ist enorm. Im Interview erläutert Augsburgs Sozialbürgermeister Dr. Stefan Kiefer, welche Aufgaben im Rahmen der Sozialen Arbeit zukünftig bewältigt werden müssen – und welche Kenntnisse und Kompetenzen dafür gebraucht werden.

Herr Dr. Kiefer, wie viele offene Stellen für Sozialarbeit haben Sie?

Dr. Stefan Kiefer: Wir haben jedes Jahr einen durchschnittlichen Bedarf von 20 Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen für das Amt für Kinder, Jugend und Familie. Auch die städtische Altenhilfe und das Wohnungs- und Stiftungsamt suchen immer wieder neue Mitarbeiter: rund zehn neue Fachkräfte pro Jahr. Das größte Potenzial an Sozialarbeiterstellen haben die Sozialverbände und der Stadtjugendring. Jedes Jahr sind bei der Stadt und im Auftrag der Stadt bzw. mit deren Unterstützung mehrere hundert Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen im täglichen Einsatz.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um gute Mitarbeitende für diesen Aufgabenbereich zu finden?

Wir nehmen an Berufsbörsen teil und bieten u.a. die Möglichkeit, neben der Ausbildung zu studieren. Auch ein Praktikum ist möglich.

Welche Kompetenzen fehlen Bewerberinnen und Bewerbern noch?

Vielen, die sich um eine Stelle im Sozialen Dienst bewerben, mangelt es an lebenspraktischer Erfahrung und auch an Berufspraxis. Das dreimonatige Vorpraktikum, das Studierende im Vorfeld absolvieren müssen, hilft oft schon, einen besseren Einblick in den Joballtag zu bekommen. Ebenso fehlt es den jungen Menschen an rechtlichen Grundlagen.

Sehen Sie das Angebot, neben dem Job studieren zu können, als zusätzlichen Anreiz, neue Mitarbeitende zu gewinnen?

Die Möglichkeit, Beruf und Studium miteinander zu verbinden, wie das etwa an der FOM der Fall ist, hilft uns, geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Augsburg zu halten. Es gibt auch im Bereich der Erziehung oder Altenpflege immer wieder Beschäftigte, die sich weiter qualifizieren und fortentwickeln wollen, aber auf ihren laufenden Verdienst im erlernten Beruf angewiesen sind. Das berufsbegleitende Studium ist für sie eine interessante Alternative. Ich erachte dieses Angebot als genauso wichtig wie auch die Möglichkeit, Soziale Arbeit in Vollzeit zu studieren.

Was kann ein Akademiker mehr einbringen als ein Nicht-Akademiker?

Im Amt für Kinder, Jugend und Familie ist ein akademischer Abschluss (Sozialpädagoge BA, Erziehungswissenschaftler BA) in der Regel Voraussetzung für die Beschäftigung. Daher stellt sich die Frage für uns nicht. In der Altenhilfe ist ein breiter Hintergrund hilfreich, denn neben der Pflege müssen Beschäftigte auch auf die vielen unterschiedlichen Lebensläufe und Kulturen eingehen können. Allerdings ist für alle Berufsbilder klar: Die beste akademische Ausbildung ersetzt nie das nötige Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

Wo sehen Sie den sozialen Bereich der Stadt Augsburg in zehn Jahren?

Durch das abzusehende Wachstum der Stadt Augsburg (geplante Neubaugebiete, Uniklinik) gehe ich davon aus, dass die Stadt schon allein zahlenmäßig ihre Angebote weiterentwickeln und dem Bevölkerungswachstum anpassen muss, ob im Sozialdienst oder z.B. bei der offenen Jugendarbeit. Zusätzlich nimmt aber auch – unabhängig vom Bevölkerungswachstum – die Tiefe der sozialpädagogischen Tätigkeiten und die Ausdifferenzierung weiter zu. Damit werden weitere, konjunkturunabhängige Arbeitsplätze entstehen. Zusätzlich werden in den kommenden zehn Jahren viele Beschäftigte in diesem Bereich in den Ruhestand gehen. All dies deutet darauf hin, dass der soziale Bereich in Augsburg wachsen wird und auch auf dem Arbeitsmarkt einen noch größeren Stellenwert einnehmen wird als jetzt. Ich freue mich auf motivierte zupackende Menschen in diesem Bereich.