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17.04.2018

Neue Rekorde und alte Kritikpunkte

Dividendenstudie 2018

Deutschlands Aktiengesellschaften schütten 2018 erstmals über 50 Mrd. Euro an Dividenden aus. Die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr (47,1 Mrd. Euro) wird damit gleich um gut elf Prozent übertroffen. Gleichzeitig bricht die diesjährige Dividendensaison nicht nur bei der Ausschüttungssumme alle Rekorde: „Genauso bemerkenswert ist, dass von den 160 Unternehmen der DAX-Familie – also DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – über zwei Drittel die Dividende anheben und nicht einmal mehr 20 Firmen ihre Aktionäre leer ausgehen lassen“, erklärt Christian W. Röhl, Fachbeiratsvorsitzender des isf Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule und Leiter des Projekts DividendenAdel. Der Kapitalmarkt-Stratege ist Autor der Dividendenstudie, die heute in Frankfurt am Main vom isf Institute for Strategic Finance und der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) vorgestellt wurde.

Prof. Dr. Alexander Zureck, Christian W. Röhl (beide isf Institute for Strategic Finance der FOM) stellten zusammen mit Marc Tüngler (DSW) die Dividendenstudie 2018 vor (v.l.n.r., Foto: FOM)

Über 10 Mrd. Euro von Daimler, Siemens und Allianz
Den größten Anteil am Dividendenregen haben wie üblich die 30 DAX-Konzerne. „Allein die drei Großzahler Daimler, Allianz und Siemens schütten zusammen rund 10 Mrd. Euro aus“, erläutert isf-Director und FOM Dekan Prof. Dr. Eric Frère. Besonders freuen dürfen sich überdies die Anteilseigner von RWE: Nach zwei Nullrunden in Folge nimmt der Essener Versorger die Dividendenzahlung wieder auf und überweist sogar eine Sonderdividende in Höhe von 1 Euro je Aktie.

Großbanken enttäuschen erneut
Darauf, dass erstmals alle DAX-Aktien ausschütten, müssen Anleger dennoch weiter warten – denn bei der Commerzbank steht zum neunten Mal in zehn Jahren die Null. Enttäuschend auch die Entwicklung bei der Deutschen Bank, die als einziges Unternehmen aus der Top-Liga der Frankfurter Börse ihre Dividende kürzt. Die Münchener Rück hingegen kann die Ausschüttung stabil halten, obwohl die Hurrikan-Großschäden den Gewinn verhagelt haben. 

MDAX-Schwergewichte stagnieren
Eine Etage weiter unten, bei den „Mid Caps“ aus dem MDAX, wird derweil der vierte Dividenden-Rekord in Serie aufgestellt. Allerdings fällt der Zuwachs mit 8,3% geringer aus als in den Vorjahren: Zwar dürften 40 der 50 MDAX-Firmen mehr ausschütten als 2017 – doch ausgerechnet bei vier der fünf Top-Zahler stagniert die Dividende. Lediglich bei Airbus steht ein Plus, während Innogy, RTL, Hannover Rück und Evonik ihren Aktionären je Aktie denselben Betrag überweisen wie im vergangenen Jahr.

TecDAX mit hoher Ausschüttungsqualität
Auch im TecDAX lässt die Dividenden-Dynamik etwas nach. Allerdings bewegt sich die Ausschüttungsqualität bereits auf einem für Technologie-Aktien sehr hohen Niveau: „Nur noch acht von 30 Unternehmen zahlen keine Dividende, wohingegen im US-Hightech-Index NASDAQ 100 mehr als die Hälfte der Firmen konsequent nicht ausschüttet“, erklärt Prof. Dr. Alexander Zureck, wissenschaftlicher Koordinator am isf.

Small Caps sind die Stars der Dividendensaison
Dennoch wird der TecDAX mit Blick auf das absolute Volumen nun erstmals vom SDAX überholt. Nachdem das Small Cap-Segment erst im Vorjahr die Dividenden-Milliarde geknackt hatte, kratzt die Ausschüttungssumme nun sogar an der Zwei-Milliarden-Marke. Das mehr als 40-prozentige Plus resultiert dabei nicht nur aus den Sonderausschüttungen der Großzahler Puma und Sixt oder dem Dividenden-Debüt von Hapag-Lloyd. Auch in der Breite stimmt der Trend: Ein Fünftel aller SDAX-Firmen zahlt mindestens 50% mehr als 2017 – etwa Scout24, König & Bauer oder DIC Asset.

Ertragslage würde vielfach noch höhere Ausschüttungen erlauben
Gleichwohl wäre nicht nur im SDAX noch mehr drin gewesen: „Bei vielen Unternehmen bleibt das Dividenden-Plus hinter den Ergebniszuwächsen zurück“, resümiert Prof. Dr. Frère. Trotz teilweise satter Anhebungen schütten die meisten Gesellschaften nach wie vor weniger als die Hälfte ihres Vorjahresgewinns aus; im DAX liegt die sogenannte Payout-Quote sogar bei fast jedem zweiten Unternehmen unter einem Drittel. Kritikwürdig sei auch die Dividendenpolitik abseits der Auswahl-Indices, so die isf-Experten. „Unterhalb des SDAX schütten nur 55 Prozent der Firmen aus – während rund ein Viertel keine Dividende zahlt, obwohl Gewinne erwirtschaftet werden“, erklärt Prof. Dr. Zureck.

Nur sieben Firmen mit mindestens zehn Anhebungen in Folge
Dennoch gibt es auch unter den Nebenwerten wahre Dividenden-Perlen. So haben etwa der Private Equity-Investor Aurelius, der Bauzulieferer ISS Innotech oder der Wind- und Solarpark-Spezialist Energiekontor ihre Ausschüttung in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 20 Prozent und mehr gesteigert. Bei weitem nicht so stark, dafür jedoch besonders nachhaltig fällt das Dividendenwachstum bei Fresenius aus. Der im DAX notierte Gesundheitsdienstleister hebt seine Ausschüttung seit einem Vierteljahrhundert Jahr für Jahr an. Kein anderes deutsches Unternehmen kann eine solche Erfolgsbilanz vorweisen. Auch die Hürde von zehn Erhöhungen in Serie überspringen nur sechs weitere Firmen: Fresenius Medical Care (21 Jahre), Fuchs Petrolub (16), Stratec Biomedical (15), Fielmann (13), Aurelius (11) und CTS Eventim (10).

Dividendenkontinuität auch in schwierigerem Umfeld sicherstellen
In zwei Jahren könnte die Liste deutlich länger sein: „Über zwei Dutzend Unternehmen kommen derzeit auf acht oder neun Anhebungen in Folge und die werden diesen positiven Trend hoffentlich auch in einem künftig möglicherweise schwierigeren Konjunkturumfeld fortsetzen“, sagt Studien-Autor Christian W. Röhl, der in seinem Manager Magazin-Buch „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ empirisch nachgewiesen hat, welchen Einfluss Dividendenkontinuität auf den Gesamtertrag von Aktien-Investments hat: „Wer in guten Jahren weniger ausschüttet als die Ertragslage hergibt, muss dieses Polster nutzen, um Kürzungen zu vermeiden, wenn’s mal zeitweise nicht mehr so gut läuft.“

Die vollständigen Ergebnisse hier zum Download.