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05.04.2018 | Hamburg

Einmal nach Down Under und zurück

„In Brisbane war ich einfach Ellie“

Prof. Dr. Ellen Meissner lebte und arbeitete elf Jahre in Australien (Foto: Privat)
Prof. Dr. Ellen Meissner lebte und arbeitete elf Jahre in Australien (Foto: Privat)

Seit März 2018 ist Dr. Ellen Meissner (38) Professorin für Wirtschaftspsychologie am Hamburger FOM Hochschulzentrum. Promoviert hat sie in Australien, wo sie elf Jahre lang mit ihrem Mann lebte. Ihre beiden Kinder kamen in „Down Under“ zur Welt. Welche beruflichen Erfahrungen die neue Professorin vom anderen Kontinent mitgebracht hat und wie diese ihre Tätigkeit an der FOM beeinflussen, darüber haben wir mit ihr im Interview gesprochen.

Sie stammen aus Schwerin, haben in Osnabrück Psychologie studiert und sind dann nach Australien gegangen. Was haben Sie am anderen Ende der Welt gesucht?

Ich bin mit meinem Mann wegen seines MBA-Studiums dorthin gegangen, mit zwei Rucksäcken und einem Studentenvisum, gleich nachdem ich meine Diplom-Arbeit in Osnabrück abgegeben hatte. Wir wollten einmal etwas ganz anderes erleben. Aus den geplanten 18 Monaten sind dann elf Jahre geworden.

Wie sind Sie dort ins wissenschaftliche Arbeiten eingestiegen?
Nach vielen Bewerbungen hatte ich damals zunächst eine Stelle als HR Consultant in Melbourne. Parallel dazu beschäftigte ich mich aber schon mit Forschung im Non-Profit Sektor: Ich habe beispielsweise Evaluationsinstrumente entworfen und Befragungen durchgeführt. Dabei habe ich mein Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten entdeckt und mich auf eine wissenschaftliche Forschungsstelle beworben. Mit Associate Professor Julie Ballentyne forschte ich dann über die Ausbildung von Musiklehrern und fing auch an, selbst zu unterrichten. Aufgrund dieser Erfahrung habe ich mich schließlich auf eine PhD Stelle an der University of Queensland beworben.

Konnten Sie mit dem deutschen Diplom in Australien promovieren?
Es war ein bisschen Glück dabei, dass mein deutsches Diplom als Äquivalent anerkannt wurde. In Australien registriert man sich für einen PhD regulär mit einem Master oder mit einem „Bachelor with Honours“– das ist ein einjähriges Programm mit einer umfangreichen Abschlussarbeit, das man in Australien absolvieren kann, wenn man vorher einen guten Bachelor-Abschluss geschafft hat.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem PhD-Programm?
Einiges ist anders als hier in Deutschland: In Australien bewertet nicht der eigene Supervisor, also der Betreuer oder die Betreuerin die Thesis, sondern zwei unabhängige Gutachter. Der Supervisor ist dagegen ein ständiger Ansprechpartner im Verlauf der Promotion, es ist eine intensive Betreuung. Thema meiner Arbeit war das mittlere Management im Altenpflegesektor in Australien. Es ging insbesondere um die Karriere, um professionelle Identität, aber auch um den Einfluss auf den Umgang mit andauernden organisationalen Veränderungen. Mit Prof. Jill Wilson als Supervisor hätte ich es nicht besser treffen können: Sie war mit ihrer beruflichen Verankerung in der Sozialen Arbeit fachlich eine kompetente Ansprechpartnerin, aber sie hatte auch ansonsten immer ein offenes Ohr für mich.

Meine Promotion wurde durch ein Stipendium unterstützt. Gearbeitet habe ich währenddessen auch, sowohl bei einem der größten Altenpflegedienstleister, als Research Development Officer, als auch in der Lehre an der University of Queensland.

Sind Ihnen in der Lehre Unterschiede zwischen Australien und Deutschland aufgefallen?
Die Digitalisierung ist in Australien weiter fortgeschritten, die Online-Lehre hat einen hohen Stellenwert. Dass die Vorlesungen aufgezeichnet werden, heißt aber auch, dass ich als Dozentin bei einer Lehrveranstaltung weniger Studierende vor mir habe: Die können ja auch zu Hause bleiben und sich die Vorlesung dort anhören. Insgesamt ist die Atmosphäre an den Hochschulen in Australien informeller und offener. Ein Beispiel: Mit „Frau Dr. Meissner“ bin ich das erste Mal in Hamburg angesprochen worden, in Brisbane war ich meistens einfach „Ellie“, wie es dort üblich ist.

Haben Sie Impulse aus Australien mitgebracht, die Sie an der FOM umsetzen möchten?
Ja, ich versuche gerade, eine digitale Sprechstunde einzurichten. Ich habe den Eindruck, dass Fragen der Studierenden nach der Vorlesung manchmal unbeantwortet bleiben. Ich möchte deshalb den Austausch intensivieren, ausprobieren, was man tun, kann, damit sich möglichst viele beteiligen. Fragen der Inklusion und Exklusion interessieren mich ohnehin, und sie sind auch in der Lehre ein spannendes Thema.

Welchen Eindruck haben Sie darüber hinaus von der FOM?
Es ist eine gut ausgestattete Hochschule, gerade im Vergleich zu vielen staatlichen Universitäten. Sehr vertraut ist mir die Praxisorientierung der FOM und der Studierenden, die ja fast alle im Beruf stehen. In meiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit geht es mir schon immer darum, Wissen konkret umzusetzen und umgekehrt um die Frage, wie praktische Erfahrungen uns nützen, um kritischer mit Modellen und Theorien umzugehen. Das ist hier an der FOM sehr verankert.

Sie haben sich 2017 von Australien verabschiedet und sind mit Ihrer Familie nach Hamburg gezogen – warum?
Wir wollten gern wieder in Europa leben, und da mein Mann in Berlin aufgewachsen ist und ich in Norddeutschland, kam für uns beides in Frage. Als ich die Stelle als Dozentin an der FOM in Hamburg bekam, war die Entscheidung gefallen. Hamburg ist mir vertraut, ich habe hier nach der Schule meine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht.

Vermissen Sie Australien noch?
Meine Tochter fragt viel nach ihrer alten Heimat, und natürlich vermissen wir nicht nur die Sonne. Beruflich fehlt mir manchmal der intensive interkulturelle Austausch: In Australien waren in meinen Lehrveranstaltungen manchmal unter 20 Master-Studierenden 18 verschiedene Nationalitäten vertreten. Das war schon etwas Besonderes. Aber: Wir sind gut in Hamburg angekommen, die Kinder im Kindergarten und in der Schule, mein Mann in seinem neuen Job. Ich habe mich auch wieder ans Deutsche als Unterrichtssprache gewöhnt. Im ersten Semester war das noch schwierig, nach so langer Zeit. Aber ich gebe das Fach Intercultural Psychology an der eufom. Da kann ich dann noch mal ausschließlich Englisch sprechen.

Prof. Dr. Ellen Meissner gemeinsam mit ihrem Ehemann (Foto: Privat)
Prof. Dr. Ellen Meissner gemeinsam mit ihrem Ehemann (Foto: Privat)