04.12.2017 | Bremen

#FOMserie

Zeit investieren, um Zeit zu sparen

Tanja Kochan hat ein festes Ziel vor Augen: Sie möchte staatlich geprüfte Steuerberaterin werden. Strenge Zugangsregelungen ebnen einen langen Weg, der zwar hier und da Abkürzungen zulässt, allerdings stets Ehrgeiz und Durchhaltevermögen voraussetzt. Nach anfänglichem Zögern hat sich die 28-jährige Bremerin für eine solche Abkürzung entschieden – und damit für eine durchaus intensive Variante. Denn parallel zu ihrem Beruf studiert die Steuerfachangestellte an der FOM Hochschule in Bremen im Master-Studiengang „Taxation“.

Mehr als nur ein Wust aus Fallbezeichnungen: Für Tanja Kochan verbergen sich hinter ihren Aktenordnern persönliche Schicksale (Foto: FOM/Marcel Waalkes).
Mehr als nur ein Wust aus Fallbezeichnungen: Für Tanja Kochan verbergen sich hinter ihren Aktenordnern persönliche Schicksale (Foto: FOM/Marcel Waalkes).

Die junge Frau sitzt am Konferenztisch des Steuerbüros „Weidenbach & Gesell“, den Blick auf ihre Hände gerichtet. Als sie schließlich ihren Gedanken fasst, schaut sie nach oben: „Ich wollte nach dem Abitur einfach etwas in der Hand haben. Also habe ich mich für den klassischen Weg entschieden und eine Ausbildung absolviert“, sagt die Steuerfachangestellte, die immer ein gutherziges Lächeln auf den Lippen trägt – auch jetzt, hier am Tisch.

Die Hanseatische Steuerberaterkammer Bremen bietet verschiedene Modelle an, um zur Steuerberater-Prüfung zugelassen zu werden. Eine Möglichkeit: Wer nach der Ausbildung zehn Jahre arbeitet, ist dabei. Darauf hatte Tanja Kochan aber keine Lust. Sie stammt aus einer zielstrebigen Familie. Der Vater ist selbstständiger Dachdecker, die Mutter in der Bilanzbuchhaltung tätig. Und ihr großer Bruder übernimmt in naher Zukunft das väterliche Unternehmen. Nicht das Faible für Taschenrechner und Zahlen, sondern viel mehr der Wunsch nach Selbstbestimmung hat sie letztlich dazu bewogen, in den Beruf einzusteigen und gleichzeitig den Bachelor „Steuerrecht“ an der FOM Hochschule zu belegen. Diesen hat sie im vergangenen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Jetzt studiert sie weiterführend „Taxation“ und arbeitet nebenbei 40 Stunden in der Woche. Dieser Weg, den sie als „persönliche Herausforderung“ bezeichnet, spart ihr am Ende über zwei Jahre Zeit ein.

Ihr Blick streift die unzähligen Ordner, welche, penibel sortiert, die großen Schränke in ihrem Büro mit Leben füllen. Ein Laie erkennt in den Regalen vermutlich nicht viel mehr als einen Wust aus Aktenzeichen und Fallbezeichnungen. Für Tanja Kochan verbergen sich hinter den Graupappen persönliche Schicksale, unternehmerische Erfolgsgeschichten, aber auch reale Ängste und Sorgen. „Ich arbeite wirklich gerne in meinem Beruf“, sagt sie. Im direkten Kontakt mit den Kunden hat sie das Gefühl etwas Gutes zu tun. „Ich trage einen Teil dazu bei, dass sich die harte Arbeit unserer Mandanten noch ein wenig mehr auszahlt“, erklärt sie. Schon während ihres ersten Praktikums in einem Steuerbüro, konnte sich die damals 16-Jährige für die Branche begeistern. „Gerade in dem Alter, war ich hin und hergerissen. Wo geht die Reise hin? Und im Steuerbüro hat es Klick gemacht. Zu sehen, wie Prozesse angestoßen und beendet werden, eine gewisse Sinnhaftigkeit hinter all dem zu erkennen, hat mich auf eine ganz spezielle Weise fasziniert.“

Tanja Kochan investiert eine Menge Zeit, um im Endeffekt noch mehr Zeit zu sparen – ihr Ziel immer fest vor Augen. Irgendwann möchte sie ihr eigenes Steuerbüro leiten. Dafür lernt sie jeden Tag. Und profitiert dabei gleichermaßen von der Kompetenzbündelung durch Beruf und Studium. Während es für ihre Kollegen jedes Jahr nach dem 31. Dezember etwas ruhiger wird, muss sie nochmal alle Reserven mobilisieren: Im Januar und Februar werden an der FOM Hochschule schon die ersten Prüfungen in den Masterstudiengängen abgenommen.