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15.08.2016

Aktuelles

Research Fellows im Porträt: Was hat das Bindungshormon Oxytocin mit Nachhaltigkeit zu tun?

Über 40 Research Fellows sind aktuell an den Instituten und KompetenzCentren der FOM aktiv: Als externe Expertinnen und Experten beteiligen sie sich parallel zu Job, Studium oder Promotion an Publikationen, Konferenzbeiträgen und Forschungsprojekten. Wie das in der Praxis aussieht und welche individuellen Wege in die Forschung geführt haben, berichten die Fellows im Rahmen einer Interviewreihe. Heute: Nina Marsh. Die ehemalige Verwaltungsangestellte hat während ihres MBA-Studiums an der FOM Köln ihre Leidenschaft für Nachhaltigkeit entdeckt. Seitdem engagiert sie sich am KCC KompetenzCentrum für Corporate Social Responsibility und arbeitet eng mit Prof. Dr. Linda O’Riordan zusammen – zum Beispiel bei der Organisation internationaler Konferenzen oder neuer Forschungsprojekte.

Nina Marsh beim KCC-Treffen 2016 (Foto: Tom Schulte)
Nina Marsh beim KCC-Treffen 2016 (Foto: Tom Schulte)

Als Sie Ihr berufsbegleitendes MBA-Studium an der FOM begonnen haben, waren Sie in der Verwaltung tätig. Hatten Sie das Thema Nachhaltigkeit damals schon auf dem Schirm?

Nina Marsh: Es stellte zumindest kein Schwerpunktthema für mich dar. Ich habe mich für das Studium an der FOM entschieden, weil ich mich beruflich verändern und weiterentwickeln wollte. Vom MBA-Abschluss habe ich mir neue Impulse erhofft. Die gab es dann auch – nur anders, als erwartet. In der CSR-Vorlesung von Prof. Dr. O’Riordan ist der Funke übergesprungen – sowohl fachlich als auch persönlich. Mir war klar, dass ich bei ihr und zu diesem Thema meine Abschlussarbeit schreiben würde.

Der Schritt zum Research Fellowship ergab sich dann aus der Zusammenarbeit?

Nina Marsh: Ganz genau. Während ich meine Master-Thesis zum Thema Verhaltensforschung und Nachhaltigkeit schrieb, habe ich festgestellt, dass ich Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten habe. Daraufhin hat Linda O’Riordan mich auf eine Mitarbeit im KCC angesprochen. Das befand sich damals noch in der Gründung…

Wie sehen Ihre Aufgaben als Research Fellow aus?

Nina Marsh: Ich bin eingebunden, wenn es um neue Forschungsprojekte geht, und unterstütze bei der Durchführung internationaler Konferenzen. 2013 haben wir beispielsweise zur FOM International CSR Research Conference geladen, und kürzlich gab es ein Treffen aller KCC-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler an der FOM Köln. In beiden Fällen sind Expertinnen und Experten aus aller Welt zusammen gekommen, um über nachhaltige Management-Lösungen zu diskutieren. Diesen Austausch empfinde ich als sehr bereichernd. Und er zeichnet auch generell das Miteinander am KCC aus, wo sich Fachleute aus ganz Europa engagieren.

Aktuell spielt darüber hinaus die Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen der FOM eine wichtige Rolle bei meinen KCC-Aktivitäten. Gemeinsam mit Prof. Dr. Julia Naskrent vom KCM KompetenzCentrum für Marketing & Medienwirtschaft arbeiten wir an einer neuroökonomischen Publikation, in der wir unsere Erkenntnisse auf das Stimulus-Organismus-Reaktions-Modell übertragen wollen. Ein sehr spannendes Thema.

Würden Sie anderen FOM-Studierenden empfehlen, sich als Research Fellow an den Instituten und KompetenzCentren der FOM einzubringen?

Nina Marsh: Von einigen meiner ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen weiß ich, dass ihnen schlicht die Zeit fehlt, in der Forschung aktiv zu sein. Für mich zahlt sich das Engagement am KCC definitiv aus, aber man muss sich bewusst sein, dass Wissenschaft sehr zeitintensiv ist. Vollzeitjob, Studium und Forschung unter einen Hut zu bringen bedeutet, auch mal abends um 23 Uhr Texte zu lesen oder an Vorträgen zu arbeiten. Ohne die nötige Leidenschaft für das jeweilige Thema ist das schwierig.

Für Sie selbst war das Research Fellowship der Startschuss für eine Karriere im Wissenschaftsbereich…

Nina Marsh: Ja, das kann man so sagen. Seit 2016 leite ich in der Alexander von Humboldt Stiftung in Bonn die Innenrevision. Parallel dazu arbeite ich an meiner Promotion in „Medizinischer Psychologie“ an der Universität Bonn. Dem KCC bin ich natürlich auch nach wie vor verbunden.

Wie meistern Sie diese Mehrfachbelastung?

Nina Marsh: Das berufsbegleitende Studium an der FOM hat mich gut auf die Herausforderung vorbereitet, Job, Promotion und KCC-Engagement unter einen Hut zu bringen. Zudem ist es häufig auch außerhalb der Wissenschaft so, dass man für mehrere Projekte gleichzeitig verantwortlich ist. Im Rahmen meiner wissenschaftlichen Tätigkeit arbeite ich neben meiner Dissertation beispielsweise aktuell an drei unterschiedlichen Projekten: der Datenauswertung einer experimentellen Studie, der Veröffentlichung eines Originalartikels sowie der Erstellung eines Review-Artikels. Da muss man Priorisieren können – und auch darauf hat mich meine Zeit an der FOM vorbereitet. Hinzu kommt: Die Inhalte meines Berufs- und Wissenschaftsalltags sind sehr bereichernd und daher mit positivem Stress verbunden. Alle meine verschiedenen Projekte und Tätigkeiten machen mir Spaß, so dass ich das Ganze nicht als Belastung erlebe.

Worum geht es in Ihrer Promotion?

Nina Marsh: Ich befasse mich mit der Frage, wie die neurobiologischen Substrate des menschlichen Gehirns nachhaltige Entscheidungen beeinflussen, insbesondere wie diese Prozesse durch das körpereigene Bindungshormon Oxytocin beeinflusst werden. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. med. René Hurlemann, Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn, habe ich beispielsweise Experimente mit insgesamt 172 Teilnehmenden durchgeführt. Jeder Proband erhielt zehn Euro und konnte sich entscheiden, ob er die Summe selbst behalten, alles oder nur einen Teil spenden wollte. Zwei reale Spendenprojekte standen dafür zur Auswahl: ein ökologisches zur Regenwaldaufforstung im Kongo und ein soziales Vorhaben, mit dem die Lebensgrundlagen von Ureinwohnern im Kongogebiet verbessert werden sollten. Das Ergebnis war erstaunlich: Oxytocin entfaltet seine Wirkung nur, wenn es um soziale Nachhaltigkeitsprojekte geht. Handelt es sich um rein ökologisch ausgerichtete Vorhaben, steigert das Hormon die Fähigkeit zum Teilen nicht. Das heißt, Oxytocin verschiebt die Prioritäten zugunsten sozialer Nachhaltigkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bereitschaft, rein ökologische Projekte zu unterstützen, möglicherweise gesteigert werden kann, wenn eine soziale Komponente betont wird.

Unsere Ergebnisse sind als erste Nachhaltigkeits-Studie in The Journal of Neuroscience publiziert worden und wurden auf EU-Ebene im Format „Horizon2020 Project: Portal“ als Research Highlight vorgestellt. Im September 2016 präsentiere ich die Ergebnisse im Rahmen der 7. International Conference on Corporate Sustainability and Responsibility in Berlin. Ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen. Denn zum einen sind auf der Veranstaltung Player wie die United Nations, Google, SAP und die Deutsche Telekom vertreten. Zum anderen ist die Kombination Neurowissenschaft/Nachhaltigkeit bislang sehr ungewöhnlich, weil beide Bereiche für unterschiedliche Herangehensweisen stehen. Also muss ich Verständnis sowohl für meinen Ansatz als auch die experimentelle Vorgehensweise schaffen. Eine Gratwanderung.

Sie planen, Ihre Promotion im Frühjahr 2017 abzuschließen. Wie soll es danach weitergehen?

Nina Marsh: Nach meiner Promotion wird meine Tätigkeit in der Alexander von Humboldt-Stiftung den Schwerpunkt bilden. Die Frage, inwieweit sich daneben Möglichkeiten ergeben, meinen Forschungsinteressen und -fragen weiter nachzugehen, und ob diese mit meiner beruflichen Tätigkeit vereinbar sind, lässt sich derzeit nicht beantworten.