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22.02.2013

Aktuelles

Forschung im Porträt: iap Institut für Arbeit & Personal

Prof. Dr. Ulrike Hellert von der FOM Hochschule

Das Arbeitszeitmodell „9 to 5“ hat langfristig ausgedient. Die Studie „Leben und Arbeiten in Deutschland“ belegt: Mehr als jeder Dritte wünscht sich die Möglichkeit, zeitlich flexibel oder mobil auch von Zuhause aus arbeiten zu können, um Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen zu können. Wie das in der Praxis aussehen kann, ist eines der Themen, mit denen sich das iap Institut für Arbeit & Personal der FOM Hochschule beschäftigt. Unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Hellert (Foto) ist es in den Bereichen Arbeitszeitforschung, demografieorientiertes Personalmanagement sowie Arbeits- und Organisationsgestaltung aktiv. Im Interview spricht die Wissenschaftlerin über aktuelle und zukünftige Projekte. 

Wo liegen die Aufgaben des iap?

Ulrike Hellert: Wir verfolgen mit unserer Arbeit das Ziel, wissenschaftlich fundierte Konzepte für Unternehmen zu entwickeln, die es ermöglichen, mit vorbildlichen innovativen Arbeitsstrukturen sowie mit adäquat qualifiziertem und kompetentem Personal globale Herausforderungen meistern zu können.

Das heißt konkret?

Ulrike Hellert: Wir gehen u.a. der Frage nach, wie sich Arbeitszeitmodelle innovativ und flexibel gestalten lassen. Dabei berücksichtigen wir sowohl die (arbeits-)rechtlichen Rahmenbedingungen als auch Erkenntnisse der Arbeitszeitforschung. Darüber hinaus setzen wir uns selbstverständlich mit den Folgen des demografischen Wandels auseinander und erarbeiten Lösungsansätze für das Personalmanagement. Im Fokus stehen dabei die Rekrutierung von Mitarbeitern sowie die kompetenzförderliche Gestaltung von Arbeitssystemen.

Woran arbeiten Sie aktuell?

Ulrike Hellert: Eines unserer Projekte ist PInowa. Dahinter verbirgt sich ein Verbundprojekt mit dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen und dem Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01 HH11 094) in den kommenden Jahren mit 1,1 Millionen Euro gefördert wird. Unter anderem wollen wir Konzepte erarbeiten, die Unternehmen dabei unterstützen, auch unter Quereinsteigern sowie weiblichen und älteren Bewerbern passende Mitarbeiter zu gewinnen. Ziel ist es, die Innovationspotenziale der Beschäftigten in verschiedenen Arbeits- und Lebenslagen künftig besser zu nutzen und zu entwickeln. Damit die Ergebnisse ihren Weg in die Praxis finden, ist u.a. ein Handbuch mit Konzepten und betrieblichen Fallbeispielen geplant.

Ist der demografische Wandel auch ein Thema für Sie?

Ulrike Hellert: Auf jeden Fall. Unter dem Namen Demografie-Scout führen wir beispielsweise ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Essener Unternehmensverband (EUV) durch. Wir bieten den EUV-Mitgliedsunternehmen eine kostenfreie Demografie-Beratung mit der Zielsetzung, die Firmen für die Folgen des demografischen Wandels zu sensibilisieren.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ulrike Hellert: Nach einem Erstgespräch im Unternehmen führen wir zunächst eine Altersstrukturanalyse durch. Anschließend bieten wir dem Unternehmen einen Workshop an, in dem wir die Ergebnisse und die identifizierten Handlungsfelder vertieft betrachten und bewerten. Dabei erarbeiten wir – je nach individueller Zielsetzung – maßgeschneiderte Handlungsempfehlungen.

Dem Thema Demografie ist auch ein neuer Forschungsschwerpunkt der FOM Hochschule gewidmet: Unter dem Titel Demografie-Monitor sowie nachhaltige Forschung und Gestaltung des Demografischen Wandels bei Beschäftigen im Logistik- und Verkehrssektor – kurz: DO.WERT – befassen sich das iap, das ild Institut für Logistik- und Dienstleistungsmanagement und das KCS KompetenzCentrum für Statistik und Empirie mit der Frage, wie sich Arbeitszeitbedingungen im Logistik- und Verkehrssektor demografieorientiert gestalten lassen. Gefördert wird das Vorhaben durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Sind die Studierenden der FOM Hochschule in diese Projekte eingebunden? Oder profitieren sie im Rahmen der Lehre davon?

Ulrike Hellert: Beides. Zum einen profitieren die Studierenden, da wichtige Forschungsfragen in die Module und damit direkt in die Lehre einfließen. Zum anderen haben Studierende die Möglichkeit, ihre Abschlussarbeiten oder Assignments im Kontext der Forschungsprojekte zu verfassen. Die erste Masterarbeit wurde so zum Thema „Reconcile Job and Family as a Father – Implications for Human Resource Management“ im vergangenen Monat sehr erfolgreich abgeschlossen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Ulrike Hellert: Aktuell bereite ich eine Projektskizze für ein bundesweites Forschungsvorhaben vor. Hierzu wurde bereits ein Konsortium gegründet, nun geht es in die intensive Planungsphase, damit wir mit dieser Projektskizze erfolgreich sind. Ferner entwickeln wir Forschungsansätze zur Verbesserung der stressreichen Arbeitsbedingungen von Berufsfahrern sowie zur Optimierung von Nacht- und Schichtarbeit.