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Bachelor und Master im Praxis-Check: Auf die Umsetzung kommt es an!

14.07.2010 - Die Lehre an den Hochschulen besser auf die Bedürfnisse der Wirtschaft abstimmen – das war ein wichtiges Ziel der Hochschulreform. Gut auf den Job vorbereitete Studierende sind vor allem für Unternehmen von großer Bedeutung, denn die Absolventen von heute sind die Fach- und Führungskräfte von morgen. Zehn Jahre nach dem Start von Bologna ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Sind die Bachelor- und Masterstudiengänge im Arbeitsmarkt wirklich angekommen? Diese Frage beleuchtete die FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Stuttgart beim vierten Wirtschaftskompass.
Der Fachkräftemangel kommt – möglicherweise früher als erwartet. Insbesondere bei einer sinkenden Arbeitslosigkeit, wie sie die aktuellen Arbeitsmarktzahlen derzeit signalisieren, werden aufgrund des demographischen Wandels die Fachkräfte rascher rar. Diese zu finden und zu binden kann deshalb entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen. Talentförderung und -management im Unternehmen gewinnt damit an Bedeutung. Gerhard Girod, Projektleiter von future leads, einer Initiative zur Förderung nachhaltiger Bildungsqualität, weiß, welchen Anforderungen Unternehmen und Hochschulen gegenüberstehen: „Talentmanagement bedeutet sicherzustellen, dass kritische Positionen auf allen Managementebenen bestmöglich besetzt werden. Das geht aber nur mit sehr gut ausgebildeten Absolventen. Diese kommen vor allem von den Bildungsinstitutionen, die Inhalte praxisnah vermitteln und mit den Firmen an einem Strang ziehen.“
Für die Unternehmen spielt eine intensive Auseinandersetzung mit dem neuen Studiensystem eine große Rolle. „Die Vielfalt der Studiengänge erschwert Personalabteilungen die Einstufung der Bewerber. Auf der anderen Seite zeigt die Erfahrung, dass viele Bachelor-Absolventen sehr anwendungsbezogen ausgebildet werden und dass den Master-Studierenden Führungskompetenzen und spezifisches Fachwissen vermittelt werden. Das erleichtert den Übergang ins Arbeitsleben“, berichtet Harald Pröger, verantwortlich für Studentenbindungsprogramme bei IBM.
Bei der Umsetzung der Bologna-Richtlinien gibt es von Hochschule zu Hochschule große Unterschiede. „Oft wird kritisiert, dass Studienprogramme verschult sind und die abschließende Qualifikation nicht ausreicht“, erläutert Siegfried Weinmann, Professor für Didaktik und Wirtschaftsinformatik an der FOM in Stuttgart. Wer auf Bachelor- und Masterstudiengänge umstellt, müsse ein tragendes Konzept entwickeln. „Dazu ist auch ein enger Austausch mit Unternehmen wichtig: Um Studierenden gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten zu können, müssen die Anforderungen des Berufsfelds in vorausschauender Weise im Ausbildungsprofil abgebildet werden“, berichtet der Experte, der seit zwölf Jahren Bachelor- und Masterstudiengänge entwickelt und leitet. Auch die Lehrmethoden rückt er in den Fokus: Je näher Beispiele und Inhalte an der Praxis orientiert sind, desto leichter ist der erfolgreiche Einstieg in den Beruf. „Eine besondere und gute Verknüpfung von wissenschaftlicher Theorie und Praxis stellt das berufsbegleitende Studium dar. Das Gelernte kann direkt im Betrieb umgesetzt werden“, so Weinmann.
Auf diesem Weg können Talente im Unternehmen gefördert und eigene Fachkräfte herangezogen werden. Bei IBM setzt Harald Pröger diesen Ansatz um: „In unserem Programm Master@IBM können sehr gute Bachelor-Absolventen direkt bei uns ihre Karriere beginnen, ohne auf den Masterabschluss zu verzichten. Vom praxisnahen, berufsbegleitenden Studium an der FOM profitieren dann sowohl die Studierenden wie auch wir als Unternehmen.“
