Aktuell
Gekko versus Shackleton: Welcher Führungsstil ist besser?
19.04.2010 - Was macht einen erfolgreichen Manager aus? Moralische Verkommenheit, gar Skrupellosigkeit und knallharte wirtschaftliche Kalkulation? Oder die Fähigkeit, Untergebene als Menschen zu wertschätzen – selbst auf die Gefahr hin, gesteckte Ziele nicht zu erreichen? Um diese Fragen zu beantworten, haben zwei MBA-Studenten der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Nürnberg zwei völlig entgegengesetzte Persönlichkeiten und deren Führungsstile miteinander verglichen: „Wallstreet“-Filmlegende Gordon Gekko und Polarforscher Sir Ernest Shackleton.
„MBA-Absolventen werden in der Öffentlichkeit nach wie vor als Manager ohne Moral wahrgenommen“, sagt Stefan Meichsner über die Entstehung der gemeinsamen Studienarbeit. „Mit dem Vergleich dieser beiden diametralen Führungspersönlichkeiten wollten wir die Bandbreite dessen darstellen, was Führung tatsächlich bedeuten kann.“
Während die Figur des charismatischen und egoistischen Investmentbankers Gekko vor allem den Profit vor Augen hat, stellte Polarforscher Shackleton bei seinen Expeditionen seine Crew immer über sich selbst. Dies brachte ihm zwar einen hervorragenden Ruf ein, seine primären Ziele erreichte er jedoch nicht. „Beide Extreme sind nicht ideal“, so Co-Autor André Jungbauer. „Wahre Führungspersönlichkeiten werden nicht geboren und ob ein Manager erfolgreich ist, hängt von seinen persönlichen Erfahrungen wie auch von der Interaktion mit seinem Umfeld ab.“
MBA-Studierende und Absolventen, deren Ziel eine Führungsposition ist, sollten Jungbauer und Meichnser zufolge zunächst einige Fragen für sich selbst beantworten: Welche Ziele verfolge ich? Was bin ich bereit dafür aufzugeben? Wie sehe ich mich selbst? Wie sehen mich andere und wie möchte ich von ihnen gesehen werden? „Wer sich diese Fragen ehrlich beantwortet, ist schon ein großes Stück weiter“, betont Meichsner. „Führungskönnen und Führungswille gehen immer Hand in Hand miteinander.“
Prof. Dr. Ulrike Hellert lehrt an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Nürnberg das Fach Soft Skills & Leadership Qualities: „Diese Studienarbeit zeigt sehr anschaulich verschiedene Facetten von Führungsstilen und -qualitäten. Eine gute Handlungsempfehlung für angehende MBA-Absolventen, die auch vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen über ein mögliches zukünftiges MBA-Gelöbnis von Bedeutung ist.“
Folgende Verhaltensweisen von Vorgesetzten sieht die FOM-Professorin als Kriterien für eine gute Führungsqualität an:
Offenes Ohr: Führungskräfte sollten prinzipiell Bereitschaft für Mitarbeitergespräche zeigen, sich Zeit nehmen und präsent sein. Das gilt sowohl für Personal- wie auch für arbeits- und aufgabenbezogene Themen.
Vertrauen zeigen: Aufgaben sollten delegiert und Verantwortung übertragen werden, dabei sollte auch Vertrauensvorschuss geleistet werden.
Ziele vereinbaren: Mitarbeiter sind motivierter, wenn sie nach konkreten, termingerechten, beeinflussbaren und realistischen Zielen arbeiten können, mit denen sie einverstanden sind.
Feedback: Kreative Ideen und gute Arbeitsergebnisse sollten anerkannt und individuelle Fähigkeiten der Mitarbeiter entwickelt und gestärkt werden.
Wissen weitergeben: Gute Informationspolitik innerhalb eines Unternehmens ist wichtig für das Arbeitsklima. Der Vorgesetzte sollte Mitarbeiter rechtzeitig über neue Projekte oder Änderungen beim Personal informieren – bevor es der Flur-Funk tut.
Soziale Kompetenz: Vorgesetzte sollten die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter beachten und Einfühlungsvermögen zeigen.
Anerkennung: Wer gute Leistung einzelner Mitarbeiter lobt und ihnen für Ideen oder Vorschläge dankt, steigert die Motivation aller und damit das Teamgefühl.
Fehler eingestehen: Ein Chef hat nicht immer Recht. Vorgesetzte, die eigene Fehler eingestehen, ernten von Mitarbeitern dafür Respekt und Anerkennung.
