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„Sauna- und Golfplatzkredite gibt es nicht mehr“

- Beschrieb in seinem Vortrag die Folgen der Finanzkrise für den Mittelstand: Prof. Dr. Christoph Schmidt.
09.06.2010 - Einen „Zeitplan der Grausamkeiten“ nannte Prof. Dr. Christoph Schmidt das Sparpaket der Bundesregierung. An der FOM Hochschule für Oekonomie & Management in Essen umriss der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) die Rahmenbedingungen für die aktuelle Finanzierung des Mittelstands. Gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RWP hatte die FOM im Rahmen des Mittelstandsforums Steuern, Recht & Bewertung Entscheider aus kleinen und mittleren Unternehmen dazu eingeladen, sich von Experten aus Wissenschaft und Praxis verschiedene Möglichkeiten der Geldbeschaffung aufzeigen zu lassen. Mehr als 70 Teilnehmer kamen, um sich über Anleihen, Genussscheine, die Voraussetzungen für einen Börsengang und über die richtige Art der Kommunikation mit Geldgebern zu informieren.
In seinem Vortrag beschrieb Schmidt die Folgen der Finanzkrise für den Mittelstand. „Den Mittelstand als solchen gibt es nicht“, betonte er. „Dementsprechend funktioniert auch eine One-size-fits-all-Finanzierungslösung nicht.“ Als Mitglied des Sachverständigenrates fand er deutliche Worte für die Zukunft der deutschen wie auch der globalen Wirtschaft. „Im Vergleich zur Großen Depression von 1929 haben sich Weltindustrieproduktion und Welthandel viel schneller wieder erholt. Dennoch wird es viele Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Stand von 2008 ankommen. Mit dem Ziel einer langfristigen Konsolidierung strebt die Wirtschaftspolitik das Richtige an. Und da der Mittelstand deutlich besser aufgestellt ist als die großen Konzerne, ist unsere Botschaft: Es hilft kein Jammern, jetzt müssen Sie anpacken.“
Über die Anleihen- und Schuldscheinfinanzierung für mittelständische Unternehmen sprach Cornelius Thor. Der Gründungsgesellschafter der Finanzierungsplattform anleihen-finder in Frankfurt/Main mahnte: „Der Mittelstand muss damit beginnen, Finanzierungsrisiken zu streuen. Mit Anleihen oder Genussscheinen können neue Geldquellen erschlossen werden, gleichzeitig steigt das Eigenkapital, wodurch sich das Rating verbessert und Zinszahlungen für Kredite gesenkt werden können.“
Klaus Houben von der Kölner Unternehmensgruppe LEU wies in seinem Beitrag darauf hin, dass die steigenden Anforderungen an Sicherheiten die Ratings der Unternehmen nicht besser machten. „Durch die Konsolidierung des Bankensektors haben die Banken weniger Geld. Sauna- und Golfplatzkredite gibt es nicht mehr.“ Sein Tipp: „Auch Mittelständler sollten ihre Kapitalbeschaffung professionalisieren. Dafür müssen sie vor allem die Kommunikation mit Geldgebern deutlich verbessern.“
Prof. Dr. Eric Frère, Dekan und Professor für Finanzwirtschaft und Entrepreneurship an der FOM, zeigte Wege für einen Börsengang auf. „Bei der Wahl des Börsensegments ist für den Mittelstand vor allem der Freiverkehr interessant. Ein Börsengang schafft Professionalität, man wird analysierbar und damit anders wahrgenommen.“
Klaus Jakoby, Generalbevollmächtiger der National-Bank AG Essen, sprach aus Sicht einer Bank, die speziell mittelständische Unternehmen unterstützt. „Viele Unternehmen klagen auf der einen Seite über eine drohende Kreditklemme. Auf der anderen Seite sind Kreditanfragen aber auch deutlich zurückgegangen. In Krisenzeiten agieren Unternehmen sehr vorsichtig und investieren, wenn überhaupt, nur sehr verhalten. Wir könnten aktuell deutlich mehr Kredite vergeben, wenn die Nachfrage da wäre."
Als wissenschaftlicher Leiter des Mittelstandsforums Steuern, Recht & Bewertung zeigte sich FOM-Professor Dr. Bernd Wassermann, Gründungsgesellschafter von RWP, sehr zufrieden. „Der Informationsbedarf über neue Wege der Finanzierung steigt insbesondere im Mittelstand weiter an. Im Rahmen des Mittelstandsforums bieten wir deshalb an, kostenfreie Finanzierungs- und Planungsanalysen von Unternehmen durchzuführen. Darin wird die Ist-Planung dieser Unternehmen in persönlichen und vertraulichen Gesprächen einer wissenschaftlichen und praktischen Analyse unterzogen. Ziel ist es, Planungsstandards zu verbessern und den Unternehmen damit einen erfolgreicheren Zugang zu Finanzierungsquellen zu ermöglichen.“
Weitere Informationen unter http://www.fom.de/mittelstandsforum_steuern.html
