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Autofahrer in Deutschland noch nicht bereit für Elektrofahrzeuge
23.08.2010 - Die Verknappung fossiler Brennstoffe gepaart mit der notwendigen Reduktion des CO2-Ausstoßes: Auf der Suche nach alternativen Antriebskonzepten setzt die Automobilindustrie vor allem auf Elektromobilität. Nach dem Willen der Bundesregierung soll Deutschland dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. Vor diesem Hintergrund hat die FOM Hochschule für Oekonomie & Management unter dem Motto „FOM fragt nach“ bundesweit 763 Verbraucher zwischen 20 und 40 Jahren über ihre Bereitschaft zum Kauf eines Elektro-Autos befragt. Prof. Dr. Thomas Heupel, wissenschaftlicher Leiter der Studie: „Im Jahr 2025 sollen die Marktanteile für Elektrofahrzeuge in Europa bereits bei rund 50 Prozent liegen. Das wären 100 Millionen Fahrzeuge. Dabei ist längst nicht geklärt, ob die Autokäufer in Deutschland bereit sind für diesen Wechsel.“
Insbesondere bei den Batteriekonzepten gibt es noch viele offene Fragen. Hybrid-, Plug-in-Hybrid- oder Range-Extender-Lösungen – kaum jemand weiß, welche Folgen solche Antriebsarten für die Autos der Zukunft haben werden. Dabei ist das Automobil aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken: 41 Prozent der befragten Studierenden fahren jeden Tag zwischen 50 und 100 Kilometern, jeder Zweite hat eine jährliche Gesamtfahrleistung zwischen 10.000 und 20.000 Kilometern. Trotzdem lehnen die Teilnehmer ein Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel oder auf eine Kombination aus Elektroauto und öffentlichen Verkehrsmitteln überwiegend ab. Dies gilt sowohl für Fahrten zur Arbeit (66%) als auch für Fernfahrten (72%) und sonstige Fahrten wie Dienstreisen oder Einkaufstouren (85%).
Obwohl das Auto häufig genutzt wird, ist die Kaufbereitschaft eines Elektrofahrzeugs bei 69 Prozent der befragten Fahrer eher niedrig bzw. sehr niedrig. Prof. Heupel: „Diejenigen mit einer höheren Kaufbereitschaft weisen tendenziell eine niedrigere Gesamtjahresfahrleistung auf. Zudem haben wir festgestellt, dass die Kaufbereitschaft mit zunehmendem Alter ansteigt.“ Warnsignal für Automobilhersteller: Der überwiegende Anteil der Befragten fühlt sich beim Thema Elektromobilität eher schlecht (54%) oder sehr schlecht (11%) informiert. „Dabei variiert der Bekanntheitsgrad der verschiedenen Mobilitätskonzepte und Elektroautomarken stark. Während 75 Prozent der Teilnehmer die Hybridlösung des Toyota Prius kennen, sind es bei den reinen Elektrokonzepten wie dem Nissan Leaf nur noch neun Prozent“, so der wissenschaftliche Studienleiter.
Im Rahmen der FOM-Befragung ging es auch darum, welche Nachteile Autofahrer bei einem Fahrzeug mit Elektroantrieb in Kauf nehmen würden. Immerhin 66 Prozent der Teilnehmer würden eine geringere Höchstgeschwindigkeit akzeptieren. Ein verringertes Raumangebot käm nur für 40 Prozent in Frage, für eine kürzere Reichweite hätten nur noch 30 Prozent Verständnis. Prof. Heupel: „Vier von zehn Fahrern würden bis zu 2.000 Euro mehr für ein Elektroauto zahlen. Auch hier zeigt sich, dass gut Informierte eher bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Knapp jeder Zweite besteht aber auf Reichweiten zwischen 300 und 450 Kilometern, jeder Dritte fordert sogar über 450 Kilometer.“
Auch das Thema Batterieladezeit sorgt bei den meisten Teilnehmern der Befragung für Unmut. Nur elf Prozent würden hierfür ein Zeitfenster zwischen drei und sechs Stunden in Kauf nehmen, 35 Prozent könnten sich immerhin noch eine Dauer zwischen 30 Minuten und drei Stunden vorstellen. Für knapp 40 Prozent steht hingegen fest, dass sie eine Ladezeit über 30 Minuten nicht akzeptieren würden. „Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Autofahrer in Deutschland aktuell noch nicht bereit sind für den Wechsel zum Elektrofahrzeug“, so der Professor. „Für Hersteller und Politik bedeutet das, dass sie ihre Informationspolitik zum Thema Elektromobilität noch einmal überdenken sollten.“
>>Die FOM fragt nach: Ergebnisbericht Elektromobilität (766 KB) |
