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„Alles andere als graue Theorie“
ZertifikateJournal 19.2008
Zusammen mit Joachim Rojahn leitet Prof. Dr. Eric Frère das kürzlich gegründete Deutsche Institut für Portfolio-Strategien. Es bietet Seminare, betreibt praxisnahe Forschung und arbeitet an einem Ratingsystem für Zertifikate.
ZertifikateJournal: Seit Anfang des Jahres ist das Deutsche Institut für Portfolio-Strategien (dips) mit Sitz in Essen aktiv. Was ist sein Ziel?
Frère: Wir möchten aktuelle Entwicklungen in der Finanzwirtschaft, insbesondere im Portfolio-Management aufgreifen sowie Vor- und Nachteile von Kapitalanlageprodukten analysieren. Zugleich bieten wir hierzu Weiterbildungsseminare an.
ZertifikateJournal: Was sind hierbei die Schwerpunkte?
Frère: Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Formen der Geldanlage und hier ganz besonders ETFs und Zertifikate. Die Märkte für diese Finanzprodukte sind noch recht jung, aber sie wachsen dynamisch. Deshalb ist es besonders wichtig, bei Produktneuerungen immer auf dem aktuellen Stand zu sein.
ZertifikateJournal: Wie gewährleisten Sie diese Aktualität – an einem Institut abseits der Praxis?
Frère: Wir sind alles andere als graue Theorie. Dafür sorgt der Austausch mit Anlage- und Vermögensverwaltern, Investmentbankern und Dienstleistungsgesellschaften der Finanz- und Kapitalanlagewirtschaft – natürlich auch und insbesondere mit der ZertifikateJournal-Gruppe. Das Institut soll Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis sein. Auf der wissenschaftlichen Seite können wir dank der Verbindung mit der Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM), auf ein umfangreiches akademisches Netzwerk zurückgreifen.
ZertifikateJournal: Sind ETFs und Zertifikate dann auch Hauptgegenstand der Seminare, die Sie am dips anbieten?
Frère: Genau. Die jungen Anlageformen erklären wir hierin aus der Perspektive des Anlegers und gehen regelmäßig auf aktuelle Themen der Finanzwirtschaft ein.
ZertifikateJournal: An welche Zielgruppe richtet sich das Weiterbildungsangebot?
Frère: Wir sprechen Vermögensverwalter, Finanzdienstleister und Mitarbeiter von Banken und Versicherungen an – eben alle, die vermögensberatend tätige sind. An diese Gruppe richtet sich zum Beispiel auch ein Seminar im Juni. Es befasst sich mit den Grundlagen des passiven Portfolio-Managements und der Zertifikate-Strukturen.
ZertifikateJournal: Zurück zur Forschung: An welchem Projekt arbeiten Sie hier aktuell?
Frère: Mit unserer Arbeit möchten wir auch zur Transparenz von Zertifikaten beitragen – ein Punkt, in dem diese Finanzprodukte immer wieder kritisiert werden. Deshalb bereiten wir im Moment ein Rating von Zertifikaten vor und diskutieren, welche Ratingkriterien am sinnvollsten sind. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie eine solche Einstufung dem Anleger am meisten nützt.
ZertifikateJournal: Sind darüber hinaus bereits weitere Projekte in der Planung?
Frère: Eine Idee besteht derzeit darin, Handlungsempfehlungen zur Entwicklung alternativer Index-Konzepte zu geben. Konkret geht es um eine alternative Benchmark für den Wirtschaftsraum Europa/Deutschland – ein Ersatz für den EURO STOXX 50, in dem Banken und Versicherer unserer Ansicht nach zu hoch gewichtet sind.
ZertifikateJournal: Auf Ihrer Homepage www.fom-dips.de habe ich gelesen, dass Sie sich sowohl für die Forschung als auch für die Lehre „Verstärkung“ aus dem Ausland geholt haben….
Frère: Wir sind stolz, dass wir die Masaryk Universität im tschechischen Brünn in Person des Dekans Dr. Svoboda als Kooperationspartner gewinnen konnten. Das ermöglicht es uns etwa, den Entwicklungsgrad von Finanzinnovationen international zu vergleichen.
Zur Person Prof. Dr. Eric Frère
Nach Tätigkeiten beim Credit Commercial des France, Bayer UK und Bankhaus Lampe KG ist Prof. Dr. Eric Frère seit mehr als fünfzehn Jahren selbstständiger Unternehmensberater für Corporate Finance und Asset Management. An der Fachhochschule für Oekonomie und Management (FOM) wurde er 2001 zum Professor für Finanzwirtschaft berufen und ist zugleich Dekan. Zusammen mit Joachim Rojahn leitet er nun auch das von der ZJ-Gruppe mit gegründete Deutsche Institut für Portfoliostrategien (dips). In seiner Freizeit genießt Frère gerne edle Rotweine oder entspannt bei Klavierkonzerten.
