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Shared Service Center in Theorie und Praxis

- Die Referenten des FOM-Symposiums: Prof. Dr. Holger Wassermann, Dr. Josefine Dutschmann, Lars Hölzer, Anke Brinkmann und Prof. Dr. Michael Müller-Wünsch (v.l.).
„Nahezu jede indirekte Unternehmensfunktion, die standortunabhängig erbracht werden kann, ist für Shared Services geeignet“, erklärte Lars Hölzer auf dem Symposium „Shared Service Center im Fokus der Wissenschaft“ in Berlin. Der Geschäftsführer der Daimler Group Services Berlin GmbH führte den rund 50 Teilnehmern das enorme Potenzial von Shared Service Centern vor Augen: „Aufgrund der heutigen technischen Voraussetzungen und der Möglichkeiten des elektronischen Datenaustausches gilt dies selbst für hochwertige Funktionen wie Produktionsplanung, Logistikplanung, Reporting oder Einkauf.“ Aktuell allerdings seien die Unternehmen noch nicht soweit. Shared Services konzentrieren sich klassischerweise auf den Finanz- und HR-Bereich, so Hölzer.
Konzerne, die bereits Shared Service Center betreiben bzw. aufbauen, stellte der FOM-Professor Dr. Michael Müller-Wünsch in seinem Vortrag vor. Darunter UTC, Siemens und Nike. „All das, was wir heute Abend diskutieren, wurde vor 20 bis 30 Jahren schon in der Fertigungsindustrie durchlebt“, erklärte er. „Schon bei Toyota befasste man sich unter dem Stichwort Lean mit Prozessen wie Operations Excellence und Standardisierung. Wir übertragen das nun von Werkstücken auf Arbeitsabläufe und Verwaltungsprozesse.“
Shared Service Center würden insbesondere in den USA, Kanada und im angelsächsischen Raum und aktuell auch im asiatischen Raum angesiedelt, stellte Dr. Josefine Dutschmann fest. Die Senior Managerin bei Germany Trade & Invest sprach über Deutschlands Rolle in der Shared-Service-Center-Welt. Ihr Urteil: Mit 17 Prozent nehme der eigentlich teure Standort Westeuropa dennoch eine überraschend dominante Rolle ein. Für Deutschland sprechen dabei in ihren Augen Faktoren wie die voraussichtliche Lohnentwicklung, Arbeitsqualität, Arbeitsmotivation oder das Ausbildungsniveau. „Deutschland hat mit seinem dualen Berufsausbildungssystem einen großen Standortvorteil“, so Dutschmann.
Daimler nutzt diese Vorteile bereits: Seit 2008 betreibt das Unternehmen ein Shared Service Center in Berlin, in dem mittlerweile 268 Mitarbeiter tätig sind – Tendenz steigend. Lars Hölzer: „Berlin bietet mit seinem attraktiven Markt für gewerbliche Immobilien, der hohen Anzahl an gut ausgebildeten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie den niedrigen Lebenshaltungskosten beste Voraussetzungen für die Erbringung von wettbewerbsfähigen Dienstleistungen für indirekte Unternehmensfunktionen.“
Wie sich die Erfahrungen, die Unternehmen wie Daimler mit Shared Service Centern sammeln, mit wissenschaftlich relevanten Forschungsfragen verknüpfen lassen, war ebenfalls Thema des Symposiums. „Im Moment werden Shared Service Center-Themen vorwiegend aus der Praxis dominiert und es gibt wenig Forschung auf diesem Gebiet“, zog Professor Dr. Holger Wassermann von der FOM Bilanz. Es sei daher an der Zeit, dass sich auch Hochschulen mit diesem Bereich befassen. Hier wolle die FOM einen ersten Schritt tun: Für das kommende Jahr sei bereits eine erste repräsentative Umfrage geplant. Zudem bestehe unter www.forschungsgruppe-ssc.de eine Diskussionsplattform für den Austausch zwischen Theorie und Praxis.
