Ethik trifft Ökonomie: Was wir von Aristoteles lernen können

„Die Logik der Wirtschaft sollte die Logik einer wohlverstandenen Hauswirtschaft sein – und nicht die Logik der bloßen Geldvermehrung.“ Diese These stellte Prof. Dr. Stefan Heinemann beim V. Wirtschaftspolitischen Salon in Berlin zur Diskussion. Der FOM-Professor für Wirtschaftsethik nahm die rund 20 Teilnehmer der Veranstaltung mit auf eine Reise von Aristoteles bis zur Finanzkrise.

 

Die erste Station dieser Reise: die Geld- und Zinstheorie des griechischen Philosophen. Nach Aristoteles – so Heinemann – liegt die Bedeutung von Geld in seiner sozialen Tauschfunktion. Wenn es jedoch genutzt werde, um sich selbst zu vermehren – beispielsweise durch Zinsnahme –, sei das mit Aristoteles widernatürlich. Schließlich sei Geld an ein Gut gebunden und könne sich deshalb nicht selbst vermehren. Das schiebe auch der Idee unbegrenzten Wachstums einen Riegel vor.

 

Hier liegt laut Heinemann auch der Denkfehler der Finanzkrise – der nächsten Station seines Vortrages: Die Beteiligten seien überzeugt gewesen, dass sich Geld natürlich vermehre und die Finanzmärkte natürlichen Gesetzmäßigkeiten folgen. Ein Irrtum, wie sich herausstellte: „Moderne Technologien sowie die schnelle Geldzirkulation der heutigen Wirtschaft haben zu einer kaum nachvollziehbaren Beschleunigung und schließlich zum Kollaps der Zinsgeschäfte geführt“, zog der Experte Bilanz. „Jetzt stellt sich die Frage, wer die Verantwortung für dieses ökonomische Handeln trägt.“ Seine Forderung: Mäßigung, Gerechtigkeit und die Logik einer wohlverstandenen Hauswirtschaft müssen in der Wirtschaft einkehren.

 

Ob und wie sich dieser Ansatz umsetzen lässt, stand im Zentrum der abschließenden Diskussion zwischen Referent und Teilnehmern. Heinemann: „Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit lassen sich nicht etablieren, indem man Unternehmen ausschließlich zwangsverpflichtet. Man muss stattdessen bereits in der Managerausbildung anfangen, angemessen ethische Reflexionen zum festen Ausbildungsbestandteil zu machen – ohne sich in einem Moralismus zu überfordern.“

 

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