1. Logistik-Forum an der FOM Berlin: Rund 40 Teilnehmer erhielten Einblicke in das Thema Lean Management
Welche Rolle spielt Lean Management in der Logistik? Diese Frage stand im Zentrum des 1. Logistik-Forums Mitte April 2011 an der FOM Berlin: Prof. Dr. Michael Müller-Wünsch, Experte für internationales Management, und Hella Abidi, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ild Institut für Logistik- und Dienstleistungsmanagement, gewährten den rund 40 Teilnehmern theoretische und praktische Einblicke in das Thema „Lean Management in der Logistik“.
„Der Begriff Lean stammt eigentlich aus der Domäne der Produktion, weniger aus dem Bereich der Dienstleistungen“, eröffnete Prof. Dr. Müller-Wünsch seinen Vortrag. „Jedoch haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr Logistikunternehmen erkannt, dass die Lean-Prinzipien auch erfolgreich auf ihre Prozesse übertragbar sind“, berichtete der ehemalige CIO der CEVA Logistics aus der Praxis. Bei „Lean“ gehe es darum, Verschwendung, Variabilität und Unflexibilität zu vermeiden. Auf die Logistik bezogen hieße das: gezieltes Bekämpfen von Überproduktion und unnötigen Lagerbeständen, Vermeidung von Mehrfachtransporten, Transportverzögerungen und Leerlaufzeiten sowie Identifizieren unnötiger Prozessschritte. „Lean bietet auch in der Logistik die Chance, durch bessere Planung wertschöpfender zu sein,“ fasste Müller-Wünsch zusammen.
Hella Abidi vom ild griff in ihrem Vortrag eine spezielle logistische Problemstellung heraus: In der Praxis werde bislang mit durchschnittlichen Entfernungen (Luftlinie, Idealstrecken laut Kartenwerken) gerechnet. Dabei blieben jedoch Umwege wie das Umfahren von Staus oder dynamische Dispositionen unberücksichtigt. Abhilfe verspricht laut Abidi das vom ild entwickelte GPS.lab: Es dokumentiere mittels GPS-Tracking die realen Transportwege (Fahrtstrecke, Geschwindigkeiten und Stopps) und ermittle zudem – und hier erweiterte Abidi „Lean“ um „Green“ – die entstandenen CO2-Werte. „Der Umweltgedanke wird entlang der gesamten Supply Chain immer bedeutsamer – der Trend geht zu einer nachhaltigen Logistik“, führte Abidi aus. Aktuell befinde sich das GPS.Lab allerdings noch in der Testphase, so die Expertin. Es werde aber wird im Rahmen des neuen Master-Studiengangs Logistik auch in der Lehre der FOM Anwendung finden.
Im Anschluss an die Vorträge diskutierten die Teilnehmer des 1. Logistik-Forums sehr angeregt mit den Referenten. Im Mittelpunkt stand hierbei u.a. die Frage des Datenschutzes. Schließlich führe die Dokumentation der Transportwege durch das GPS.lab zu einem „gläsernen“ Fahrer. Auch die adäquate Umlage der sendungsbasiert ermittelten CO2-Werte auf den Verursacher, also den Kunden, wurde im Gespräch mit den Experten erörtert.
