IV. Wirtschaftspolitischer Salon: „Das Grundproblem des Euros ist die räumliche Trennung von Geldpolitik und nationalen Fiskalpolitiken“
Rückblick, Bestandsaufnahme, Ausblick – Prof. Dr. Gerald Mann lieferte Ende Oktober 2010 eine umfassende Analyse des Euros. Der FOM-Experte für Volkswirtschaft war zu Gast in Berlin und beantwortete beim IV. Wirtschaftspolitischen Salon die Frage „Was wird aus dem Euro?“.
Dabei ging Mann u.a. auf das Grundproblem der Währung ein: der uneinheitliche Zuständigkeitsbereich der Europäischen Zentralbank und der nationalen Fiskalpolitik der Mitgliedsstaaten der Eurozone. „Es gibt eine Notenbank mit einer einheitlichen Geldpolitik für alle 16 Euro-Länder, die aber wiederum eine eigene nationale Steuer- und Finanzpolitik betreiben“, so der FOM-Professor. „Das kann funktionieren, wenn die Staaten eine einheitliche geld- und finanzpolitische Stabilitätstradition sowie eine vergleichbare Wettbewerbsfähigkeit aufweisen. In der EU ist dies jedoch nicht der Fall.“ So hätten schon bei Einführung des Euros einige Staaten die Konvergenzkriterien nicht erfüllt. Zudem hätte Griechenland – ebenso wie andere PIIGS-Staaten – in den vergangenen Jahren auf höherem Standard gelebt, als es ohne Euro möglich gewesen wäre. Die aktuelle Problematik sei somit programmiert gewesen.
Daher zweifelte Mann auch die Vorteilhaftigkeit des Rettungspaketes für Griechenland an. Für die Griechen bestünde keine Möglichkeit, ihre Währung abzuwerten und Produkte wie touristische Leistungen billiger anzubieten, um so ihre Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Stattdessen gäbe es andere Möglichkeiten, die Staatsschulden abzubauen, betonte der Experte. Die sauberste und ehrlichste Lösung in seinen Augen: Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen. Da der Schuldenberg dennoch weiterwachsen würde, müsse dies unter Umständen mit einem so genannten Haircut kombiniert werden. Dabei werde der nominale Wert der Schulden herabgesetzt und der verbliebene Gesamtschuldenberg wieder tragbar.
Trotz allem: Manns Zukunftsprognose fiel eher düster aus. Im Vergleich zu dem japanischen Yen und dem US-Dollar sei der Euro zwar wie der Einäugige unter den Blinden, dennoch rieche es auch im Euro-Raum nach Inflation. Die Frage, wie sich der Einzelne auf diese Situation vorbereiten könne, stand dann auch im Zentrum der Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Dabei hatte Mann einige Tipps für die Teilnehmer parat – von der Investition in Silber über den Erwerb von Agrar-Immobilien bis zur Investition in die Anleihen rohstoffreicher Länder.
