FOM-Studierende Abroad: Markus Ueberjahns Jahr an der San Diego State University

Pool und Palmen auf dem Campus, Kommilitonen in Badeshorts, Surfkurse als fester Bestandteil des Vorlesungsprogramms: Ein Jahr lang erlebte Markus Ueberjahn den „American Way of University Life“. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann unterbrach er sein Bachelor-Studium „International Management“ an der FOM und verbrachte zwei Semester an der San Diego State University. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen – und gibt Tipps für die Planung und Organisation eines Auslandsaufenthalts.

 

Woher kam der Entschluss, nach der Ausbildung ein akademisches Auslandsjahr einzulegen?

 

Im Rahmen meiner Ausbildung bei der Hochtief AG habe ich ein dreimonatiges Praktikum in Santiago de Chile absolviert. Diese Erfahrung hat mich so beeindruckt, dass ich aufbauend auf dieser ersten professionellen Tätigkeit im Ausland auch eine akademische Ausbildung in einem Land bzw. in einer fremden Kultur durchlaufen wollte. Hinzu kommt: Die Anforderungen vieler Unternehmen an ihre Fach- und Führungskräfte sind heutzutage sehr hoch. Die einst als außergewöhnlich angesehene „Ausbildung plus Studium“ beispielsweise ist zum Standard geworden, viele Unternehmen bieten die einfache Ausbildung gar nicht mehr an. Deshalb war es für mich im Hinblick auf eine internationale Karriere unabdingbar, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

 

Warum haben Sie sich für San Diego entschieden?

 

Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mein Auslandsjahr an der Westküste der USA absolvieren möchte und mich somit für eine Universität in Kalifornien entscheiden würde. Meine Auswahlkriterien für eine geeignete Universität waren die Rankings der Business- und Managementprogramme sowie die Höhe der anfallenden Studiengebühren. Schließlich fiel meine Wahl auf die San Diego State University, da sie eines der besten International Business Programme der USA hat und im Vergleich zu anderen kalifornischen Universitäten verhältnismäßig preisgünstig ist.

 

Wie hat sich der Studienalltag in den Staaten von Ihrem Studien- und Arbeitsalltag in Deutschland unterschieden?

 

Das waren zwei völlig verschiedene Welten: Der Studienalltag in San Diego war kaum vergleichbar mit meinem Studien- und Arbeitsalltag in Deutschland. Dies lag vor allem am ausgeprägten Campusleben: Alle zur Universität gehörigen Einrichtungen befinden sich auf einem geschlossenen Gelände – neben Lehr- und Forschungseinrichtungen auch Wohnheime, Kantinen, Läden und Geschäfte sowie Sportzentren, Cafés und Freizeiträume. Ich habe folglich den gesamten Tag auf dem Campus verbracht: zum einen weil ich Vorlesungen, Seminare und Sportkurse über den Tag verteilt hatte, zum anderen weil es jede Menge Freizeit- und ehrenamtliche Aktivitäten für die Zeit zwischen den Vorlesungen gab.

 

So war ich zum Beispiel Mitglied der Studentenorganisation „International Business Society“. Ihre Zielsetzung: Studenten an die internationale Wirtschaft heranzuführen. Ich war verantwortlich für den Bereich Marketing und habe zudem Konferenzen und Vorträge organisiert. So hatten wir während meiner Zeit an der San Diego State University Redner von Microsoft, Google und Walt Disney zu Gast. Darunter auch Ted Waitt, den Gründer von Gateway Computers.

 

Ein weiterer großer Unterschied zu Deutschland: Neben Kursen und Vorlesungsreihen aus der Betriebs- und Volkswirtschaft, Kommunikations- und Sprachwissenschaft bietet die San Diego State University Kurse wie Surfen, Segeln, Wasserski oder Tauchen an. Diese gelten in Kalifornien als vollwertige akademische Kurse und werden von vielen amerikanischen Studenten genutzt, um die Anzahl ihrer Credit Points zu erhöhen.

 

Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten haben Sie sich während Ihrer Zeit an der San Diego State University befasst?

 

Im ersten Semester habe ich Kurse in International Business, Operations Management und Small Business Consulting belegt. Dazu kamen zwei Spanisch-Kurse: Advanced Conversation und Advanced Reading & Writing. Zusätzlich habe ich an einem Surf-Kurs teilgenommen, der mindestens einmal die Woche im „Mission Bay Aquatic Center“ und am Strand stattfand. Im zweiten Semester habe ich mich mit Conflict Management und International Business Strategy & Integration befasst und zwei Advanced Business Spanish-Kursee belegt. Darüber hinaus habe ich mich für eine Internship Class entschieden, durch die ich einen Praktikumsplatz bekommen habe.

 

Was für ein Praktikum haben Sie absolviert?

 

Ich war bei der National City Chamber of Commerce tätig, dem amerikanischen Äquivalent zur deutschen Industrie- und Handelskammer – und zwar im Bereich Marketing Management und Public Relation. National City ist eine Stadt im Großraum San Diego. Dort habe ich zwei Mal pro Woche gearbeitet und war u.a. verantwortlich für die Erstellung eines Marketingplans für die Umweltkampagne eines Unternehmens in San Diego.

 

Gab es kulturelle Besonderheiten, mit denen Sie Schwierigkeiten hatten?

 

Es gab viele Dinge, die anfangs ungewohnt waren. Allerdings hatte ich damit keine Schwierigkeiten. Besonders auffallend ist die extreme Offenheit der Amerikaner. An jeder Ecke gab es ein „How are you today?“ oder „What’s up?“. Dadurch war es jedoch auch leicht, neue Bekanntschaften zu schließen. Dazu hat auch mein Engagement in der „International Business Society“ beigetragen. Viele der Freunde, die ich dort kennengelernt habe, sind mexikanisch-amerikanischer Abstammung. Deshalb habe ich neben der amerikanischen Lebensweise auch die mexikanische Kultur kennengelernt: Wir haben oft Ausflüge ins nahgelegene Mexiko unternommen. Ich lernte mexikanische Familien kennen, war auf traditionellen Festen und wurde ein großer Fan der mexikanischen Küche. Nebenbei habe ich auch mein Spanisch verbessert.

 

Wie lauten Ihre Tipps für Studierende, die ebenfalls ein Auslandsjahr absolvieren möchten?

 

Die Vorbereitungen sollten ein Jahr vor Beginn des geplanten Auslandsaufenthalts starten. An erster Stelle steht die Frage: Auf welcher Sprache, in welchem Land und an welcher Universität möchte ich studieren? Ist diese Entscheidung getroffen, sollte man nach Erfahrungsberichten im Internet suchen und Kontakt zu entsprechenden Vermittlungs- oder Informationsagenturen aufnehmen: Ich habe mit diesen Agenturen sehr gute Erfahrungen gemacht. Zudem ist der Service in der Regel kostenlos, da sich die Anbieter über vermittelte Studenten an die Universitäten im Ausland refinanzieren.

 

Als nächstes folgen der langwierige Bewerbungsprozess, die Beantragung eines Visums, die Suche nach der optimalen Auslandskrankenversicherung und weitere Dinge, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Sobald die Einschreibungsformulare eintreffen, empfehle ich, sich einen Überblick über die Wohnungssituation und Infrastruktur in der jeweiligen Stadt zu verschaffen: Ist es zum Beispiel günstiger auf dem Campus oder privat zu wohnen? Lohnt sich die Anschaffung eines Autos oder gibt es ein gut ausgebautes System öffentlicher Verkehrsmittel?

 

Haben sich das Jahr an der San Diego State University und der damit verbundene Aufwand gelohnt?

 

Definitiv. Ich empfehle jedem Studierenden, für ein oder zwei Semester an eine ausländische Universität zu gehen. Die Erfahrungen sind unbezahlbar – sowohl aus akademischer und professioneller Sicht als auch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Man lernt viele neue Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennen und erhält einen tiefen Einblick in eine andere Lebensweise. Es erweitert zudem den Horizont, auf sich allein gestellt alltägliche Probleme in einer fremden Sprache und Kultur zu lösen. Das wiederum ermöglicht ein freieres Denken und eine offene Einstellung gegenüber neuen und ungewohnten Dingen. Diese Erfahrungen lassen sich auch auf das Studienfach übertragen, da Studienbestandteile häufig anders gewichtet und bisher unbekannte Lehrmethoden eingesetzt werden. All diese Kriterien fördern letztlich die interkulturelle Kompetenz, auf die es in der heutigen Wirtschaft so sehr ankommt.

 

Wie sieht es nun nach Ihrem Auslandsjahr bei Ihnen aus?

 

Die FOM hat mir einen Großteil der Kurse, die ich in San Diego absolviert habe, anerkannt – nach entsprechendem Abgleich, Prüfung der Kursinhalte und Einreichung einer beglaubigten Kopie meines Abschlusszeugnisses. Über das Prozedere hatte ich mich bereits im Vorfeld bei der Studienberatung informiert. Zurzeit schreibe ich an den letzten Kapiteln meiner Bachelor Thesis und schließe mein „International Management“-Studium voraussichtlich noch vor Silvester ab.

 

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