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Auch in der Krise gibt es Wachstumsunternehmen: Wirtschaftliches Stimmungsbild zeigt große Unterschiede in den Branchen
22.05.2009 - Die allgemeine Wirtschaftslage wird subjektiv von den Mitarbeitern viel negativer empfunden als die Geschäftsentwicklung im eigenen Unternehmen. Dies ist ein Kernergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management. Alle rund 1.100 Befragten studieren berufsbegleitend Wirtschaftswissenschaften und erleben in ihrem Arbeitsalltag in den Unternehmen die Krise sehr bewusst und hautnah mit. Sie beantworteten Fragen zur Stimmung in den Unternehmen angesichts der aktuellen Situation, zu unternehmerischen Strategien stehen, die aktuell im Fokus stehen, zur Wahrnehmung der wirtschaftspolitischen Diskussion und zur Bewertung des Krisenmanagements der Bundesregierung?
Regelmäßig führt die Hochschule Umfragen unter der Marke „Die FOM fragt nach“ zur aktuellen wirtschaftlichen Situation durch. „Unsere derzeitige Untersuchung zeichnet im Vergleich zur Herbstbefragung ein trüberes Bild: In immer mehr Unternehmen wird die Bedrohung durch die Finanz- und Wirtschaftskrise wahrgenommen. Das ist an der insgesamt eher negativen Einschätzung zur allgemeinen wirtschaftlichen Lage ablesbar. 44 Prozent bewerteten diese als schlecht, 32 Prozent als befriedigend. Immerhin zeigt sich noch jeder fünfte optimistisch“, berichtet Prof. Dr. Burghard Hermeier, Rektor der FOM.
Während die allgemeine Wirtschaftslage mehrheitlich mit schlecht bewertet wurde, geben zwei von drei Befragten für das eigene Unternehmen ein relativ zufriedenes Votum ab. Rund 32 Prozent der Teilnehmer beurteilen die derzeitige Auftrags-/Geschäftslage ihres Unternehmens als gut bzw. sehr gut und rund 33 Prozent als befriedigend. Der Anteil, der die eigene Unternehmenslage als schlecht bzw. sehr schlecht bewertet, beträgt 35 Prozent. Es bestehen zudem signifikante Unterschiede hinsichtlich der Branche und der regionalen Lage.
„Was NRW besonders trifft, sind die schlechte Lage und die gedrückte Stimmung der Automobilindustrie, ihrer Zulieferer und der Metallverarbeitung“, so Prof. Dr. Thomas Heupel, Prorektor für Forschung an der FOM, über die Situation der heimischen Wirtschaft. Die Befragten dieser Branche beurteilen die derzeitige Auftragslage besonders negativ und die Ertragslage hat sich überdurchschnittlich schlecht entwickelt. Positiver ist das Stimmungsbild in den Bereichen Energieversorgung und Einzelhandel.
Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) schätzt, dass der Marktanteil ihres Unternehmens im aktuellen Geschäftsjahr gleichbleiben wird. Weitere 29 Prozent gehen davon aus, dass der Marktanteil zunehmen bzw. stark zunehmen wird. Die Chancen, einen Bankkredit zu erhalten, bewerten die Befragten zu je einem Drittel mit befriedigend, gut bis sehr gut und schlecht bis sehr schlecht. Tendenziell schätzen Unternehmen mit mehr Mitarbeitern beziehungsweise höherem Umsatz ihre Möglichkeiten für Kredite optimistischer ein.
Mit einem Mitarbeiterrückgang rechnen insgesamt 39 Prozent aller Befragten, 45 Prozent gehen von gleich bleibenden Zahlen aus. „Auch der Wirtschaftsraum NRW wird diese Entwicklung sicher zu spüren bekommen. Trotzdem sollten Unternehmen gerade in der Krise langfristig denken und in die Qualifizierung der Mitarbeiter investieren. In und nach schwierigen Zeiten stehen häufig Optimierungs- und Umstrukturierungsprozesse an, bei denen Fachwissen gefragt ist“, schätzt Prof. Dr. Heupel die Lage ein. Ein Großteil der Befragten geht zum Beispiel davon aus, dass in ihrem Unternehmen künftig die Informationen für betriebliche Entscheidungen umfassender und differenzierter recherchiert sowie die Arbeits- und Verwaltungsprozesse restrukturiert werden und dass sich die Firmen durch Innovationen deutlicher vom Wettbewerber absetzen möchten. Prof. Dr. Hermeier: „Wenn in der aktuellen Krise oft über Manager und Managerfehler geschimpft wird, so sollte man nicht vergessen, dass gerade in der Krise solides kaufmännisches Wissen und unternehmerische Weitsicht gefragt sind, um die Weichen richtig zu stellen.“
Und welche Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen wären von staatlicher Seite sinnvoll? „Die Abwrackprämie wird eher kritisch gesehen, auch wenn sie der angeschlagenen Automobilindustrie kurzfristig nutzt. Viel sinnvoller wäre eine allgemeine Senkung der Lohnnebenkosten - so sehen es zumindest 77 Prozent der Befragten. Dahinter steckt sicher auch die Hoffnung, dass dadurch die Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation entlastet und Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden können“, vermutet Prof. Dr. Hermeier.
