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Bundesweiter Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Medizinisch-pflegerische Ausbildung um Managementkenntnisse erweitern
27.05.2009 - Das Geld wird knapp, gleichzeitig steigt der Bedarf an Fachkräften: In Deutschland wirkt sich der demografische Wandel immer deutlicher auf das Gesundheitswesen aus. Um zukünftige Probleme zu benennen und Lösungsansätze vorzustellen, veranstaltete die FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management in Kooperation mit der Contilia Gruppe und der Regionalagentur MEO die Tagung „Mitarbeiter und Patienten im Gesundheitswesen – zukünftige Entwicklungen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“. Zentrale Ergebnisse der Tagung: Von 1991 bis 2050 wird sich die Zahl der über 80-Jährigen bundesweit verdreifacht haben. Gleichzeitig sinkt die Anzahl derer, die unser Gesundheitssystem finanzieren. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es einer größeren Effizienz in der Gesundheitswirtschaft, aber auch einer stärkeren Patientenbeteiligung, einer Erhöhung der gesetzlichen Beiträge zur Krankenversicherung sowie einer Erhöhung der Anzahl an Beitragszahlern.
Dr. Boris Augurzky, Kompetenzbereichsleiter Gesundheit des RWI Essen, gab in seinem Vortrag „Die demografische Entwicklung und ihre Auswirkung auf das Gesundheitswesen und das Krankenhauspersonal“ einen Ausblick auf die Zukunft in der Pflege. Mit einem Anteil von 10,7 Prozent am Brutto-Inlands-Produkt sei die Gesundheitswirtschaft eine der bedeutendsten Branchen in Deutschland. Derzeit arbeiteten bundesweit 4,2 Millionen Beschäftigte in diesem Bereich. Von diesen Mitarbeitern würden aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden zehn Jahren bis zu 40 Prozent ausscheiden. Zusätzliche neue Stellen seien darüber hinaus zu besetzen. „Bis 2020 werden rund 18.000 Stellen mehr im ärztlichen Krankenhausdienst und 9.000 Pflegekräfte mehr in den Kliniken benötigt. Dazu kommen schätzungsweise 50.000 zusätzliche Fachpflegekräfte in Pflegeheimen und ambulanten Diensten“, fasste Augurzky zusammen. „Die Folge ist ein Personalmangel. Durch eine Erhöhung der Erwerbstätigenquote von Frauen und älteren Menschen, einen früheren Eintritt ins Erwerbsleben, die Aktivierung unqualifizierter Arbeitsloser und durch Zuwanderung qualifizierter Immigranten kann einerseits dieser Personalmangel abgefedert und andererseits die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme gewährleistet werden.“
Über integrierendes Pflege- und Prozess-Management referierte Prof. Dr. Michael Schütte von der FOM. Dieses Modell versuche, mit Hilfe von Managementinstrumenten ein integriertes Betreuungsangebot bedürfnisorientiert und in angemessener Qualität und Kontinuität zu gewährleisten. „Wir müssen zukünftig nicht mehr funktionsorientiert, sondern prozessorientiert denken“, so Schütte. „Der zentrale Ansatz sollte sein, dass die gesamte Verantwortung für die Koordination der Versorgung eines Patienten oder einer Gruppe von Patienten in einer Hand liegt. So gelingt es, Qualitätsverbesserungen mit Kosteneffizienz zu verbinden.“
Voraussetzung sei ein Wandel des Berufsbildes und der damit verbundenen Bildungsanforderungen. „Wenn wir die medizinisch-pflegerische Ausbildung um Managementkenntnisse erweitern, erreichen wir durch die neuen Kompetenzen ein größeres Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter“, erläutert Schütte. „Logische Folge dessen wären neue Gesundheitsfachberufe, in denen neben der Krankheits- und Arzneimittellehre beispielsweise auch Organisationslehre, Informatik und Recht vermittelt werden. Ziel dieser Berufe sollte es sein, sämtliche Anforderungen, die klinischen, die sozialen und die ökonomischen, in den Prozess zur Heilung des Patienten mit einzubinden.“
