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Wie Unternehmen Krisen bewältigen können

21.10.2009 - Ausgestanden ist die Krise noch lange nicht: Besonders bei den Kreditkonditionen werden viele Unternehmen die Auswirkungen des konjunkturellen Einbruchs noch einmal zu spüren bekommen. Doch den Kopf jetzt in den Sand zu stecken, wäre fatal. Gerade jetzt müssen die Risiken im Betrieb benannt und eingeschätzt werden, um sie erfolgreich zu bekämpfen. Wie Firmen gestärkt aus der Krise herausgehen können, zeigte Thomas Berger beim zweiten Stuttgarter Wirtschaftskompass der FOM am 19. Oktober 2009.
„Die Finanzkrise ist längst in den Unternehmen angekommen. Jetzt geht es vor allem darum, den Problemen richtig zu begegnen“, fasst Martin Topp, Geschäftsleiter der FOM Stuttgart, zu Beginn der Veranstaltung zusammen. Auftrags- und Gewinnrückgänge seien dabei nicht die einzigen Sorgen der Betriebe. „Ein wirtschaftlich schlechtes Jahr schlägt sich direkt in den Kennzahlen für die Rating-Einstufung durch die Banken, wie etwa die Eigenkapitalquote, nieder. Die Folge sind Änderungen in den Kreditkonditionen, so dass unter Umständen die Finanzierung nicht mehr gesichert ist“, ergänzt Thomas Berger von der Future Value Group in seinem Vortrag zum Risikomanagement. Deshalb lohne es sich, verschiedene mögliche Szenarien durchzuspielen, um bei alarmierenden Ergebnissen frühzeitig reagieren zu können.
Wie Risikomanagement und Krisenprävention im Mittelstand angegangen werden, weiß Berger aus seiner beruflichen Praxis. Bei der Future Value Group AG verantwortet er Projekte zum Risiko- und Turnaround-Management in mittelständischen Unternehmen. Eine Auflistung und Bewertung der möglichen Risiken ist der erste Schritt – wichtig sind dabei u.a. folgende Fragen: Wo liegen die Erfolgspotenziale des Unternehmens und wodurch könnten sie bedroht sein? Welche äußeren Einflüsse wirken auf den Betrieb? Relevante Risiken wie beispielsweise der Markteintritt eines Wettbewerbers, ein konjunktureller Einbruch oder der Verlust eines Großkunden müssen herausgefiltert werden. Risikobeauftragte beobachten Frühwarnindikatoren ihres Zuständigkeitsbereichs, z.B. den ifo-Geschäftsklimaindex oder spezifische Marktveränderungen, und können gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.
Laut Berger ist es wichtig, die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken und die Bandbreite des erwarteten Schadens mit Zahlen zu benennen. So lassen sich die möglichen Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis etwa mit speziellen Programmen berechnen und somit auch Prognosen für Rating-Einstufungen ableiten. Daraus lässt sich oft schon erkennen, an welchen Stellen Sanierungsmaßnahmen ansetzen sollten. Wie sich etwa Kosteneinsparungen, eine engere Kundenbindung durch erneuerte Verträge oder eine stärkere Mitarbeitermotivation auswirken, wird anhand von Simulationen sichtbar gemacht. „Es müssen immer alle Konsequenzen bedacht werden. Die kurzfristige Behebung von Liquiditätsengpässen durch Einsparungen sollte auf keinen Fall die mittelfristige Ausrichtung gefährden“, so Berger. „Nur so können Unternehmen gestärkt aus der Krise herausgehen. Prävention setze sich zusammen aus Risikobewertung und Rating-Prognosen, einer darauf abgestimmten Absicherung, Robustheit des Unternehmens, Kostenmanagement und einer Versorgung mit Liquidität“.
Bereits zum zweiten Mal führte die FOM den Stuttgarter Wirtschaftskompass durch und griff mit dem Thema „Krisenbewältigung im Mittelstand“ erneut eine aktuelle Wirtschaftsproblematik auf. Mit der Veranstaltung bietet die FOM in regelmäßigen Abständen Interessierten aller Berufs- und Altersgruppen Informationen und Austauschmöglichkeiten.
