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Akkreditierung zu stark auf klassische Hochschulen fokussiert: Studium neben dem Beruf muss attraktiver werden

15.10.2009 - Drohender Fachkräftemangel und eine unzureichende Akademiker-Quote im Land: Deutsche Unternehmen sorgen sich zunehmend um ihren Nachwuchs. Ein Weg zur Lösung dieses Problems – darin waren sich die Teilnehmer der zweiten Fachtagung „Hochschulpolitik und Hochschulmanagement“ in Essen einig – ist der kontinuierliche Ausbau berufsbegleitender Studienangebote. Auf Einladung der FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management diskutierten Unternehmensvertreter sowie Experten aus Hochschulpolitik und -forschung die verschiedenen Perspektiven.
Auch hochschuldidaktische Konzepte und die Anforderungen an die Qualitätssicherung berufsbegleitender Studiengänge waren Themen der Tagung. Nach Ansicht der Experten gilt es, das Potenzial Berufstätiger mit Hochschulberechtigung zu fördern. Noch aber sei das entsprechende Angebot für all diejenigen, die nach dem (Fach-)Abitur eine Ausbildung absolviert haben und ihre berufliche Karriere nicht mehr für ein Vollzeit-Studium unterbrechen möchten, nicht attraktiv genug. Die Motivation Berufstätiger für ein Studium neben der Arbeit müsse durch flexiblere Studienbedingungen weiter erhöht werden. Doch der Wissenschaftsapparat, der die Qualität der Hochschullehre in Deutschland sichert, erweist sich bislang als zu unflexibel beim Auf- und Ausbau berufsbegleitender Programme: Hier fungiert nach wie vor der klassische Vollzeitstudent als Maßstab – die besonderen Voraussetzungen Berufstätiger werden nicht ausreichend berücksichtigt. Für die Entwicklung innovativer, speziell auf die Zielgruppen zugeschnittener didaktischer Ansätze gibt es kaum Anreize.
Eine kritische Bestandsaufnahme machte Prof. Dr. Dr. phil. h.c. Klaus Landfried, früherer Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. „Die Qualität von Hochschulen alleine an Rankings, Ratings oder Akkreditierungen festzumachen, reicht nicht aus“, so der Professor. „Qualität von Bildungsprogrammen oder ganzen Einrichtungen kann vielmehr daran erkannt werden, wie die Kompetenz-Entwicklung gefördert wird. Sprich: welches Niveau die Absolventen erreichen.“ Lange Vorlaufzeiten bedingt durch Akkreditierungsprozesse und Genehmigungsverfahren behinderten darüber hinaus die schnelle Umsetzung erforderlicher innovativer Qualifikationsangebote. Landfried kritisierte, dass sich zu wenige Hochschulen um ihre Absolventen kümmerten. „Hier tun private Hochschulen deutlich mehr. Erfolgreiche Absolventen belegen die Qualität einer Bildungsanstrengung, gerade neben dem Beruf, und tragen das Qualitäts-Image in die Öffentlichkeit.“
Mit den Chancen eines Konzepts der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung hat, befasste sich Dr. Michael Heidinger, Referatsleiter im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW. Seine These: Den Herausforderungen einer globalisierten Ökonomie könne man nur dann erfolgreich begegnen, wenn alle Bildungsressourcen und -optionen genutzt werden. „Daher müssen akademische und berufliche Bildung gleichermaßen gestärkt und der Zugang dazu verbessert werden“, so Heidinger. Die Forderung der Landesregierung nach Gleichwertigkeit beider Bildungssäulen müsse umgesetzt werden. „So kann der Fachkräftemangel sowohl im akademischen als auch im beruflichen Bildungsbereich bekämpft werden“, betonte Heidinger.
Aus Sicht der Unternehmen äußerte sich Markus Lecke, Leiter des Projektes „bologna@telekom“ bei der Deutschen Telekom AG, zum Stellenwert berufsbegleitender Studienangebote. Die Telekom kooperiert bereits mit zahlreichen Hochschulen, unter anderem der FOM, und bietet ihren Mitarbeitern berufsbegleitende Bachelor- und Master-Studiengänge an. „Unser Ziel ist es, berufsbegleitende Studienangebote für Mitarbeiter zunächst national, dann auch international auszubauen.“ Ferner setze sich die Telekom dafür ein, dass Mitarbeitern der Hochschulzugang auch ohne Abitur möglich ist.
Dr. Heinz-Ulrich Schmidt, Managing Director der FIBAA, wies darauf hin, dass im Zusammenhang mit der Verbesserung der Durchlässigkeit der Bildungssysteme die Anrechnung beruflicher Qualifikationen und damit die Anerkennung von Vorerfahrungen berufstätiger Studierender systematisiert werden müsse. „Nur so kann das Potenzial Berufstätiger bestmöglich entwickelt werden.“
