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Studie vorgestellt - Frauen nehmen Karrierehemmnisse wahr
19.11.2008 - Die Situation von Akademikerinnen in der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen ist durch vielfältige Karrierehemmnisse gekennzeichnet – trotz durchaus vorhandener Karriereambitionen. Dies wurde erneut deutlich auf einer Tagung, die sich speziell mit der Lage von Forscherinnen in dieser Branche beschäftigte. Auf Einladung der FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management diskutierten in Essen über 40 hochrangige Wissenschaftler und Praktiker über die Gründe für den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Forschung und Entwicklung. Die Tagung bildete den Abschluss eines vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Generationen, Familie Frauen und Integration geförderten Projektes, in dem sich ein Forscherteam um Prof. Dr. Anja Seng speziell mit der Situation von Forscherinnen in der chemischen Industrie in Nordrhein-Westfalen beschäftigt hatte.
Im Gegensatz zu den häufig genannten Vorurteilen beurteilen Frauen eine berufliche Karriere in vielen Aspekten sogar positiver als Männer, so ein zentrales Ergebnis der Studie. Die Frauen nehmen aber bereits im Studium und insbesondere später im Berufsleben Benachteiligungen wahr – und dies deutlich stärker als ihre männlichen Kollegen. Die Benachteiligungen bestehen unter anderem in Arbeitsplatzanforderungen, die zu einer weitgehenden Unvereinbarkeit von Familie und Beruf führen. Sie resultieren aber auch aus Vorbehalten, die die in der Regel männlichen Vorgesetzten gegenüber einer Karriereförderung von Frauen haben. Gleichzeitig gibt es allerdings auch auf Seiten der Frauen Defizite in der Selbstdarstellung und dem Einfordern von Karrierechancen.
Zwar habe es in den letzten Jahren bereits große Fortschritte in der Frauenförderung gegeben, betonten Friedrich Überacker vom Arbeitgeberverband Chemie Rheinland und Edeltraut Glänzer, Vorstand IG BCE, gleichermaßen, doch sei das Ziel der Chancengleichheit noch nicht erreicht. Dass dies auch für die Standesvertretungen der Chemiker gilt, zeigte das Referat von Dr. Angela Lockhoff von der Gesellschaft deutscher Chemiker.
Praktische Wege zur Förderung von Frauen zeigten Gitta Doebert von der RWTH Aachen und Ursula Eckert, 3M Deutschland, auf. Sie präsentierten, wie durch Mentoring-Programme und Vernetzung in einem Unternehmen neue Möglichkeiten zur Erhöhung der Karrierechancen von Frauen in Wissenschaft und Forschung eröffnet werden können. Voraussetzung ist allerdings immer, dass die Unternehmensleitung und die Führungskräfte die Bemühungen zur Chancengleichheit unterstützen und vorleben.
Übereinstimmend waren die Tagungsteilnehmer der Meinung, dass der demografische Wandel und der damit verbundene Fachkräftemangel den Druck auf die Unternehmen erhöhen werden, die Situation von Frauen in der chemischen Industrie zu verbessern.
