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Neue Wege für mehr Akademiker / FOM-Studie zum Einsatz alternativer Studienformen im internationalen Vergleich

09.04.2008 - Deutschland hat zu wenig hochqualifizierte Arbeitnehmer. Im europäischen Vergleich liegt die Bundesrepublik laut einer Anfang April veröffentlichten Studie der Dresdner Bank mit einem Anteil von 28 Prozent bei der Akademiker-Quote sogar auf den hinteren Plätzen, Spitzenreiter ist Finnland mit einem Anteil von fast 40 Prozent. Die Forderung nach breiterem gesellschaftlichem Zugang zu einem Studium, nach alternativen und nachhaltigen Studienkonzepten, um mehr Menschen zum Studium zu bewegen, wird lauter. Auch im Bezug auf alternative Studienformen hat Deutschland ganz offensichtlich großen Nachholholbedarf, wie Dr. Matthias Klumpp, Professor an der Fachhochschule für Oekonomie & Management (FOM), jetzt in einem gerade erschienen Arbeitspapier herausfand: Im internationalen Vergleich belegt die Bundesrepublik im Einsatz neuer Studienformen auch hier einen hinteren Platz: Während in Litauen 42 Prozent der Studierenden eine andere Studienform als das klassische Vollzeitstudium belegen, sind es in Deutschland nur 17,3 Prozent der Studenten. Ergebnisse seiner Studie stellt Prof. Dr. Matthias Klumpp am 24. April auf der Fachtagung „Alternative Konzepte in der Hochschullehre“ in Essen vor.

 

„Das Konzept des einmaligen, zeitlich begrenzten Vollzeitstudium genügt diesen Anforderungen nicht“, heißt es in dem Arbeitspapier. „Die lebenslangen Lernprozesse erfordern eine Ausdifferenzierung der Studienform bzw. eine Ausweitung der alternativen Studienmöglichkeiten.“ Mögliche Alternativen wären zum Beispiel das Fernstudium bzw. Online-Studium, das berufsbegleitende oder Teilzeit-Studium. Prof. Klumpp fordert in seiner Untersuchung „angesichts eines globalen Wettbewerbs unter den Hochschulen“ Vergleiche zwischen den ausländischen und deutschen Hochschulen. Für seine Ausarbeitung hat er die Hochschulsysteme Großbritanniens, der USA, Australiens und Osteuropas (Litauen) und Asiens (Singapur) analysiert. Mit folgendem Ergebnis: Nach Litauen folgen Australien, USA, Großbritannien und Deutschland. Singapur ist mit einem Anteil der in alternativen Studienformen Studierenden von 8,3 Prozent Schlusslicht der Liste.

 

Deutschland biete nach Singapur ein Hochschulsystem, das weitestgehend monozentristisch strukturiert sei. Das System in Deutschland sei grundsätzlich auf die Schulabsolventen ausgerichtet, für die das Studium eine Vollzeitbeschäftigung mit Präsenzpflicht darstelle, heißt es in dem Arbeitspapier. „Alternative Studierenden-Gruppen, die an einem Präsenzstudium aufgrund zeitlicher und räumlicher Einbindung nicht teilnehmen können, scheinen demnach immer noch eine Randgruppe darzustellen“, so Prof. Klumpp. Beim Spitzenreiter Litauen studieren fast die Hälfte aller angehenden Akademiker in alternativen Studienformen. Es sei ungewiss, worauf dieser vergleichsweise hohe Anteil von Studierenden zurückzuführen sei. Ein möglicher Grund läge in der Tradition des Fernstudiums: Bereits vor 1991 zu Zeiten der UdSSR habe das Fernstudium eine institutionelle Stabilität und eine breite Akzeptanz in vielen Bevölkerungsgruppen genossen, für die kein Präsenzstudium möglich war, wie z.B. Studierende aus ländlichen Regionen oder Berufstätige.

 

Vor diesem Hintergrund diskutieren Hochschulexperten, Wissenschaftler und Unternehmensvertreter am Donnerstag, 24. April, an der FOM Fachhochschule für Oekonomie & Management Essen über alternative Konzepte wie das berufsbegleitende Studium in der Hochschullehre. Die wissenschaftliche Fachtagung beginnt um 10 Uhr im Schulungs- und Hörsaalzentrum II, Sigsfeldstraße 5, in Essen.

 

 

 

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