Aktuell
Stimmung in der Wirtschaft sank in den letzten Wochen rapide
25.11.2008 - In Deutschland herrscht Krisenstimmung. Das geschieht nicht zum ersten Mal. Aber das Tempo, mit der die Stimmung in der deutschen Wirtschaft sinkt, ist bislang einmalig. Bei der Vorstellung einer Studie der FOM zu den Aussichten für das Geschäftsjahr 2009 wurde deutlich: Die konjunkturelle Ungewissheit lähmt die deutsche Wirtschaft. „Bezogen auf die aktuelle Geschäftslage fühlten sich viele Unternehmen im Oktober eigentlich noch fit für den Wettbewerb. Nach den neuesten Konjunkturdaten kann dies ein Trugschluss sein“, betont Prof. Dr. Burghard Hermeier, Rektor der FOM. „Unsere Untersuchung zeigt, dass die meisten Firmen ihr Risikomanagement und ihre Flexibilität weiter verbessern müssen, um auf die wechselhafte Wirtschaftslage eingestellt zu sein.“
Die Ergebnisse der Studie präsentierte die FOM im Rahmen eines Vortrags- und Diskussionsabends mit Vertretern des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. Essen (RWI) sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst und Young AG, zu dem rund 120 Unternehmensvertreter aus der Region kamen. Die in der bundesweiten Studie befragten rund 1200 Berufstätigen aus nahezu allen Branchen waren im Befragungszeitraum Oktober noch von einer relativ stabilen Wirtschaftslage ausgegangen. Beschäftigungsentwicklung und Investitionstätigkeit im eigenen Unternehmen wurden durchaus positiv bewertet.
Dr. Roland Döhrn, Konjunkturexperte des RWI, beschreibt die aktuelle Situation so: „Abschwungphasen erkennt man lange Zeit nicht, auch das volle Ausmaß bleibt lange unklar. Dass sich die Stimmung innerhalb kürzester Zeit so schnell ändert, haben wir so noch nicht erlebt“, sagte Döhrn, der gleichzeitig für 2009 andeutete, dass man von einer rückläufigen Entwicklung von -1 bis -1,5 Prozent im Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgehen müsse. Eine neue offizielle RWI-Konjunkturprognose ist schon in Kürze zu erwarten. Konsumgutscheine im Kampf gegen die Krise hält der Konjunkturexperte für wirkungslos, stattdessen plädiert er für Steuersenkungen. „Eine deutlich geringere Einkommenssteuer wäre für unser Wachstum sehr vorteilhaft.“
Peter Englisch, Regionalchef der Unternehmensberatung Ernst & Young, sieht besonders die mittelständischen Unternehmen in der Pflicht, sich intensiv mit den Auswirkungen der Finanzkrise zu befassen. „Jedes Unternehmen muss die eigene Gefährdungslage kritisch durchleuchten“, so Englisch, der den Teilnehmern eine Checkliste zur unternehmensspezifischen Bewertung vorstellte. „Noch nie war es so wichtig, vorausschauend zu planen und flexibel zu handeln“, fasst FOM-Rektor Prof. Dr. Hermeier zusammen. „Wenn dies den Unternehmen gelingt, kann sich gerade der deutsche Mittelstand als Stabilitätsfaktor erweisen. Zukunftsplanung ist keine leichte Aufgabe, denn die diversen Prognosen sind derzeit oft sehr widersprüchlich, wie man beispielsweise an der Einschätzung zum Ölpreis im Jahr 2009 sehen kann. Hier schwanken die Erwartungen der Experten sogar zwischen 20 und 200 Dollar pro Barrel.“
Die FOM wird auch im Jahr 2009 mit zahlreichen Veranstaltungen besonders den Mittelstand bei seiner Planungsaufgabe unterstützen. Weitere Einzelheiten zu den Ergebnissen der Studie unter http://www.fom.de/stimmungsbarometer_wirtschaft.html.
